25. Juli 2008 13:19
Herbert Prohaska (früherer ÖFB-Teamchef und -Teamspieler, jetzt
ORF-Analytiker): "Ich bin überrascht, weil der Name Karel Brückner nicht
gefallen ist und ich gelaubt habe, er würde nach dem EM-Turnier in Pension
gehen. Aber deswegen ist er keine schlechte Wahl. Brückner hat sich mit
seiner Heimat zuletzt dreimal für große Turniere qualifiziert. Letzlich
kommt es nicht darauf an, wie alt oder jung ein Teamchef ist - siehe Luis
Aragones, der mit Spanien Europameister geworden ist. Es interessiert auch
niemanden, ob ein Trainer Dynamik, Jugend und Elan mitbringt, es zählt nur
der Erfolg. Er hat einen internationalen Bonus, es geht aber auch für ihn
darum, was nach 90 Minuten herauskommt. Er muss den Weg, den unser Team
eingeschlagen hat, weitergehen. Wir haben keine großen Routiniers. Und egal,
wer gekommen wäre, wir sind wie vor der EM großer Außenseiter in der
WM-Qualifikation. Von Brückner zu fordern, sich für Südafrika zu
qualifizieren, wäre zu hoch gegriffen. Was wir bei der EURO gezeigt haben,
müssen wir nun auch in Auswärtsspielen zeigen."
Felix Gasselich (früherer ÖFB-Teamspieler): "Als ich den
Namen im Radio hörte, bin ich fast aus meinem Auto geflogen. Ich bin maßlos
enttäuscht. Wir verfügen nun endlich über ein junges, dynamisches und
aufstrebendes Nationalteam, da hätte man jemanden gebraucht, der diese
Tugenden mitgebracht und auch weiter transportiert hätte. Es hätte nicht ein
68-jähriger Pensionist, sondern ein Mann mit Power, Elan und einem
klingenden Namen sein sollen. Der ÖFB hat einen Pensionisten angestellt, der
ÖFB ist ein Senioren-Bund. Ich werde mit kein Länderspiel mehr im Stadion
anschauen."
Martin Stranzl (Spartak-Moskau-Verteidiger): "Brückner hat sehr
gute Erfolge mit dem tschechischen Nationalteam und dem U21-Team vorzuweisen
und ist ein erfahrener Trainer. Wie er arbeitet, werden wir erst nach den
Spielen gegen Italien, Frankreich und Litauen wirklich wissen. Ich werde
mich bei meinen Mannschaftskollegen Martin Jiranek und Radoslav Kovac über
Brückner erkundigen, aber entscheidend ist immer, wie man die Situation
selbst sieht. Andreas Herzog sollte der Mannschaft nicht nur erhalten
bleiben, sondern vielleicht noch mehr mit dem Team arbeiten. Das wäre für
ihn und die Mannschaft wichtig."
Roland Linz (Braga-Stürmer): "Tschechien hat es unter
Brückner immer geschafft, sich für die Turniere zu qualifizieren. Das
spricht sicher für ihn. Er ist sicher ein Trainer mit extrem viel Erfahrung.
Persönlich kenne ich ihn nicht, deshalb kann ich nicht viel sagen. Ich lass
das alles auf mich zukommen und mich überraschen."
Heinz Fuchsbichler (Altach-Trainer): "Wenn Brückner mit
Österreich nur die Hälfte seiner Erfolge mit Tschechien feiert, dann wäre
das schon eine Wahnsinnsgeschichte. Überraschend ist es für mich deshalb,
weil Brückner ja eigentlich aus Altersgründen sein Amt in Tschechien
niedergelegt hat und jetzt doch noch einmal auf die Bühne zurückkehrt.
Lassen wir ihn arbeiten, er ist ein Teamchef von internationalem Format und
mit viel Erfahrung. Ich bin weder übereuphorisch noch negativ eingestellt.
Dass Herzog Österreichs Teamchef für die Zukunft ist, steht ohnehin außer
Frage. Für ihn ist es sicher interessant, mit einem Mann wie Brückner
Erfahrung zu sammeln."
Der frühere ÖFB-Teamspieler Felix Gasselich: "Als ich
den Namen im Radio hörte, bin ich fast aus meinem Auto geflogen. Ich bin
maßlos enttäuscht. Es hätte nicht ein 68-jähriger Pensionist, sondern ein
Mann mit Power, Elan und einem klingenden Namen sein sollen. Der ÖFB hat
einen Pensionisten angestellt, der ÖFB ist ein Senioren-Bund. Ich werde mit
kein Länderspiel mehr im Stadion anschauen. Auch wenn Herzog die
Unterstützung der Medien gehabt hätte, wäre es für ihn besser gewesen, vor
dem Teamchef-Posten irgendeine Nachwuchs-Auswahl des ÖFB zu übernehmen."
Martin Pucher (Präsident österreichische Bundesliga): "Wir
sind überzeugt, dass Karel Brückner mit seiner internationalen Erfahrung der
ideale Mann für die weitere Entwicklung des jungen österreichischen Teams
ist."
Leo Windtner (Präsident oberösterreichischer Verband): "Karel
Brückner ist ein echter Trainerroutinier. Er hat auch viel mit dem Nachwuchs
gearbeitet. Ein wesentlicher Punkt ist, dass er die Philospohie des
österreichischen Weges übernimmt."
Franco Foda (Trainer Sturm Graz): "Karel Brückner ist ein
erfahrener Trainer, der jahrelang erfolgreich Tschechien betreut hat. Unter
seiner Leitung haben die Tschechen sehr gut gespielt. Ich glaube, dass das
eine gute Lösung ist. Ob Ausländer oder nicht, das ist nicht entscheidend.
Auch die möglich gewesene österreichische Lösung wäre gut gewesen."
Stefan Maierhofer (Rapid-Stürmer): "Er ist eine sehr, sehr
gute Wahl. Er hat mit den Tschechen, auch wenn es nie für einen Titel
gereicht hat, sehr viel Erfolg gehabt und dabei hat sein Team auch immer
fußballerisch überzeugt. Er ist ein erfahrener Mann, der uns beim
eingeschlagenen Weg mit dem Einsatz vieler junger Spieler sicher
weiterhelfen kann. Ich muss an mir arbeiten und mich beweisen, egal wer
Teamchef ist. Vielleicht kann man es aber auch einmal mit zwei langen
Stürmern probieren, mit mir und Marc Janko zum Beispiel."
Peter Pacult (Rapid-Trainer): "Ich kenne ihn schon seit 1996.
Da war er Teamchef der tschechischen Olympia-Mannschaft. Er ist ein sehr
guter Trainer. Wir Vereinstrainer müssen unseren Anteil leisten, indem wir
die Spieler in guter Verfassung zum Team schicken."
Alfred Gusenbauer (SP-Bundeskanzler): "Mit Karel Brückner hat
der ÖFB eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Österreichs Fußball hat mit ihm
einen international erfahrenen und erfolgreichen Trainer gewonnen. Das
tschechische Nationalteam, das von Karel Brückner zuletzt sechseinhalb Jahre
trainiert wurde, bringt seit Jahren Leistungen auf Weltklasseniveau. Der
ausgewiesene Fachmann übernimmt von Josef Hickersberger ein geordnetes,
junges und talentiertes Team."
Friedrich Stickler (ÖFB-Präsident): "Es gibt
einhellige Zustimmung für diese Entscheidung zugunsten von Karel Brückner.
Ich habe mit den Landespräsidenten gesprochen, es herrscht eine wirklich
sehr positive Einstellung gegenüber dem neuen Teamchef. Brückner wird eine
entsprechende Unterstützung in der Fußball-Familie finden. Mit ihm wird der
von uns eingeleitete Prozess im ÖFB-Team fortgesetzt. Er ist einer der
erfahrendsten Trainer einer Nationalmannschaft in Europa. Er ist ein
erfolgreicher Trainer nicht nur im Bereich der Nationalmannschaft, er hat
darüber hinaus große Erfolge in der Nachwuchsarbeit. Wir haben bei der Suche
nicht auf Taufschein geschaut, sondern auf Erfahrung und Erfolg. Wir haben
uns für Brückner entschieden und nicht gegen Andreas Herzog. Brückner würde
gerne mit ihm zusammenarbeiten. Ich hoffe, Herzog bleibt, die Tür für ihn
steht ganz weit offen."
Andreas Herzog (ÖFB-Rekordteamspieler, Assistent von Ex-Teamchef Josef
Hickersberger): "Keine Frage, Brückner ist ein Top-Mann. Ich hatte
natürlich ein bisschen Hoffnung, dass ich es werde, aber gegen so einen
Trainer war ich chancenlos. Das ist eine absolute Top-Entscheidung, ich bin
dem ÖFB auch nicht böse. Ich kann es mir durchaus vorstellen, unter Brückner
zu arbeiten, jedenfalls eher als unter anderen Kandidaten, die im Vorfeld
genannt worden sind."
György Garics (Napoli-Verteidiger): "Eine sehr gute Wahl.
Man muss sich nur ansehen, was er aus der tschechischen Mannschaft gemacht
hat. Sie waren bei großen Turnieren immer dabei und haben gute Figur
gemacht. Sein taktisches Können braucht man also nicht infrage zu stellen.
Wie er als Mensch ist, weiß ich nicht. Ich telefoniere aber noch oft mit
Ladi Maier (Anm.: Rapid-Tormanntrainer) und er hat sehr gut von ihm
gesprochen. Wir wussten da aber noch nicht, dass Brückner der nächste
Teamchef wird."
Franz Schiemer (Austria-Verteidiger): "Ich bin mit der
Entscheidung zufrieden. Ich weiß, dass er mit Tschechien im EM-Halbfinale
(2004) war und immer eine spielstarke Mannschaft mit tollen Einzelspielern
hatte, die offensiven Fußball geboten hat. Er kann uns sicher einiges
beibringen. Ich glaube nicht, dass er bei der Auswahl der Spieler darauf
achten wird, ob sie alt oder jung sind. Es wäre der Wahnsinn, wenn wir uns
für die WM 2010 qualifizieren könnten."
Joachim Standfest (Austria-Verteidiger): "Ich halte ihn für
eine gute Wahl. Wenn du einen Erfolgstrainer und eine Respektsperson wie ihn
bekommen kannst, dann glaube ich, sollte man zusagen. Die Erfolge, die er
mit Tschechien hatte, sprechen für sich selbst. Man kann aber von der Ferne
natürlich nicht genau beurteilen, wie jemand als Trainer ist."
Sebastian Prödl (Werder Bremen-Verteidiger): "Die
Entscheidung für Brückner kam für mich sehr überraschend. Er war zuvor in
den Medien kein Thema, wir Spieler haben davon auch nichts gewusst. Ich
hoffe, dass er seinen Erfolg, den er mit dem tschechischen Team hatte, in
Österreich weiterführt, und auch den Weg von Hickersberger fortsetzt, auf
junge Spieler zu setzen."
Martin Harnik (Werder Bremen-Stürmer): "Dass die Wahl auf
Brückner fiel, ist für uns alle eine Überraschung. Andi Herzog wäre ein sehr
guter Kandidat gewesen, schade, dass er es nicht geworden ist. Aber es ist
auch verständlich, weil es ein Risiko wäre, einem Neuling gleich so ein
Amt zu übertragen."