15. März 2010 07:04
Die WM 2010 wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohne den
wohl bekanntesten Fußballer der Welt stattfinden. David Beckham zog sich am
Sonntag beim Meisterschafts-Heimspiel seines aktuellen Clubs AC Milan gegen
Chievo Verona einen Achillessehnenriss zu - und das nicht einmal drei Monate
vor Beginn des Turniers in Südafrika, das ihn zum einzigen englischen Kicker
mit vier Endrunden-Teilnahmen gemacht hätte.
Hoffen auf ein Wunder
Das Malheur passierte kurz vor dem Ende
der Partie, als Beckham an der Mittellinie den Ball stoppte und dabei mit
dem linken Fuß umknickte. Im Normalfall bedeutet eine derartige Verletzung
eine Pause von rund sechs Monaten. Der Mittelfeldspieler hofft jedoch auf
ein Wunder und flog mit einem Privatjet nach Turku, wo er noch am Montag vom
Spezialisten Sakari Orava operiert werden sollte. Der Mediziner hatte vor
einigen Monaten auch den italienischen Ski-Rennläufer Peter Fill trotz eines
Sehnenrisses noch für Olympia in Vancouver fit gemacht.
Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zeigte sich Orava aber
pessimistisch, was einen WM-Auftritt Beckhams betrifft. "Es wird rund
drei Monate dauern, bis er wieder Fußball spielen kann, für maximale
Leistung vielleicht einen Monat mehr", erklärte der Arzt, der ein Band
aus der Wade des Kickers entnehmen und damit die Achillessehne verstärken
will.
Beckhams WM-Traum geplatzt
© Reuters
Beckham schwer verletzt
© EPA
Beckham schwer verletzt
© Getty
Beckham schwer verletzt
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Beckham schwer verletzt
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Beckham schwer verletzt
© Reuters
Beckham schwer verletzt
© AP
Beckham schwer verletzt
© AP
Beckham schwer verletzt
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Beckham schwer verletzt
Lauftraining in 2 Monaten
Durch seine Behandlungsmethode könne
die Zwangspause bei einem Achillessehnenriss verkürzt werden, meinte Orava. "Die
Operation dauert nicht einmal eine Stunde und, wenn alles optimal verläuft,
kann man nach zwei Monaten mit dem Lauftraining beginnen." In diesem
Fall würde Beckham ein Wettlauf mit der Zeit bevorstehen, ähnlich wie 2002.
Damals erlitt er wenige Wochen vor der WM einen Bruch des Mittelfußknochens,
wurde dann zwar rechtzeitig zur Endrunde fit, konnte aber sein aktuelles
Leistungspotenzial nicht abrufen.
Diesmal wird es sich wohl nicht mehr ausgehen, auch wenn Orava einen
Hoffnungsschimmer für Beckham erkennen ließ. "Das WM-Turnier
in Südafrika ist jetzt ein ziemlich unrealistisches Ziel. Aber wenn der
Schaden sich als nicht so groß erweist und die Operation gut geht, kann er
vielleicht wenigstens als moralische Stütze auf der Ersatzbank sitzen",
erklärte der Chirurg gegenüber der Nachrichtenagentur STT.
Milan-Ärzte skeptisch
Im Gegensatz zu Orava sagten die
Milan-Ärzte dem englischen Star eine Pause von fünf bis sechs Monaten
voraus. "Ich habe ihn in der Kabine umarmt und gemeint, er kann
nächstes Jahr wieder bei uns spielen, wenn er will", erklärte
Milan-Generaldirektor Adriano Galliani, für dessen Club Beckham wie schon im
Vorjahr während der MLS-Pause mit Los Angeles Galaxy leihweise im Einsatz
war.
Coach: "David wusste sofort, was los war"
Laut
Milan-Coach Leonardo war sich Beckham sofort über die Schwere der Verletzung
bewusst. "Er ist am Boden gelegen und hat dauernd gerufen: 'Sie ist
gerissen, sie ist gerissen'", erzählte der Brasilianer, der sich über
den 1:0-Sieg nicht freuen konnte. "Seine Verletzung tut uns allen
extrem leid." Milan-Kicker Ignazio Abate beschrieb die Trauer Beckhams. "Es
geht im nicht gut. In der Kabine war er in Tränen aufgelöst und hat nicht
viel gesagt."
Anruf vom Teamchef
Englands Teamchef Fabio Capello rief Beckham
noch am Sonntag an, um sein Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. Einen
WM-Start seines Stars wollte der Italiener noch nicht kategorisch
ausschließen. "Wir müssen die Ergebnisse der ärztlichen
Untersuchung abwarten, aber es sieht so aus, als ob sich die WM für ihn
erledigt hat", sagte Capello und fügte hinzu: "David ist ein
großartiger Sportsmann, der sich sehr hart auf die WM vorbereitet hat. Sein
Ausfall wäre ein schwerer Schlag."
Sportlicher Schaden überschaubar
Der sportliche Schaden für
England hält sich allerdings in Grenzen. Sein Stammleiberl im Nationalteam
hat Beckham längst verloren, gerade auf der rechten Mittelfeldseite verfügt
Capello mit (dem derzeit noch verletzten) Aaron Lennon, Theo Walcott, Shaun
Wright-Phillips oder James Milner über genügend Alternativen. Dennoch hätte
der Teamchef den 34-Jährigen gern nach Südafrika mitgenommen, weil Beckham
mit seiner Schusstechnik bei Standard-Situationen immer noch für Gefahr
sorgen kann.
Traum vom Teamrekord geplatzt
Für den Mittelfeldspieler scheint
damit der Traum geplatzt, Peter Shilton zu überholen und Englands
Rekord-Internationaler zu werden. Beckham brachte es bisher auf 115 Partien,
zehn weniger als die englische Tormann-Legende. Von 2000 bis 2006 führte der "Spice
Boy" den Weltmeister von 1966 58 Mal als Kapitän aufs Feld.
Im Nationalteam waren die WM-Viertelfinali 2002 und 2006 das höchste der
Gefühle, auf Club-Ebene hingegen räumte Beckham praktisch alles ab. Mit
Manchester United wurde er sechs Mal Meister, zwei Mal FA-Cup-Sieger und
gewann 1999 die Champions League und den Weltcup. Im Frühjahr 2007, knapp
vier Jahre nach seinem Wechsel um knapp 28 Millionen Euro zu Real Madrid,
holte er mit dem spanischen Rekordchampion den Meistertitel, ehe er sich
nach Los Angeles verabschiedete.
Rekordvertrag in den USA
Bei Galaxy unterschrieb der Engländer
einen Fünfjahresvertrag, der ihm insgesamt 250 Mio. Dollar (182 Mio. Euro)
bringt. Schon in den vergangenen Jahren war Beckham dank zahlreicher
Werbeverträge der bestverdienende Kicker gewesen. Mit ständig wechselnden
Frisuren und der Ehe mit Ex-Spice-Girl Victoria sorgte er auch abseits des
Rasens für Schlagzeilen.
WM ohne Glamour-Paar
Die ohnehin schon umstrittene Fußball-WM in
Südafrika hat damit allerdings gleich zwei schwere Ausfälle zu beklagen. Mit
David Beckham fehlt eines der Top-Aushängeschilder im sportlichen Bereich.
Ebenso schlimm aber wohl: Ohne David auch keine Victoria Beckham in
Südafrika. Der Glamour-Faktor der WM sinkt damit beträchtlich, die
Society-Reporter werden in Johannesburg, Kapstadt & Co ohne die
Fashion-Ikone ihr Auslangen finden müssen.