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Das sind die Tops & Flops der WM

Tiki-Taka & Tribünenkasperl

Das sind die Tops & Flops der WM

Vor dem Finale zwischen Frankreich und Kroatien ist es bereits an der Zeit ein Resümee zu ziehen. Das sind die größten Tops und Flops der WM:

TOPS:

Europa: Die Mannschaften aus Europa haben das Turnier in Russland dominiert. Zehn der 16 Achtelfinalisten kamen aus der UEFA, zum fünften Mal in der WM-Geschichte stellte Europa alle vier Halbfinalisten (Frankreich, Belgien, England, Kroatien). Frankreich greift nach dem zweiten Stern, Kroatien hat mit dem Finaleinzug den größten Erfolg seiner Geschichte fixiert. Belgien schaffte erstmals seit 32 Jahren wieder den Einzug in ein WM-Halbfinale, England erstmals seit 28 Jahren.

Gastgeber: Sportlich überraschte die "Sbornaja" von Teamchef Stanislaw Tschertschessow mit dem Viertelfinal-Einzug, die Organisation mit Spielen in elf Städten funktionierte nahezu reibungslos. Abgesehen von der Nachhaltigkeit und den immensen Kosten - Russland bot zwölf topmoderne, helle Stadien mit prächtiger Architektur und makellosem Rasen. Die Vorrundenspiele waren zu 97 Prozent ausverkauft.

Sicherheit: Die Schreckensbilder aus Marseille von der EM 2016, als sich russische Hooligans mit Engländern prügelten, wiederholen sich nicht. Wegen der wohl strengsten Einreisekontrollen und Sicherheitsmaßnahmen der WM-Historie gab es keine Ausschreitungen. Auch das Anti-Diskriminierungsnetzwerk Fare zog ein weitgehend positives Fazit.

Der Teenager: Mit nur 19 Jahren spielte sich Kylian Mbappé in die Riege der Superstars. Der Stürmer von Paris Saint-Germain, mit 180 Mio. Euro Ablöse von AS Monaco geholt und damit zweitteuerster Spieler der Geschichte, überzeugte mit seiner Geschwindigkeit, seiner Technik und dem Torriecher und schrieb sich gegen Argentinien als zweitjüngster Doppeltorschütze einer WM nach Brasiliens Pelé 1958 in die WM-Geschichte ein.

Kylian Mbappe © Getty Images
Mbappé ist der Star der WM

Kollektiv: Teamgeist statt Einzelkönner lautet ein Trend, der Erfolg brachte. Statt der exzentrischen Superstars Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar haben sich Spieler in den Vordergrund gespielt, die ihre individuelle Klasse ganz in den Dienst der Mannschaft stellen: Die Franzosen Kylian Mbappé und Antoine Griezmann, der Kroate Luka Modric, die Belgier Kevin De Bruyne und Eden Hazard, der Engländer Harry Kane glänzten in einem starken Kollektiv.

Video: Viel wurde über die Einführung der Video-Assistenten (VAR) vor den Bildschirmen in Moskau diskutiert. Doch die Technik hat sich bewährt und sorgte für mehr Gerechtigkeit. Rund 30 Mal wurde der Videobeweis sichtbar eingesetzt. Für Diskussionen sorgte das Hilfsmittel vor allem dann, wenn die Unparteiischen darauf verzichteten oder durch unterschiedliche Regelauslegungen.

WM-Neulinge mit voller Begeisterung: Island und Panama bereicherten trotz des Vorrunden-Ausschneidens das Turnier. Die Nordlichter mit ihrem tausendfachen "Huh!", die Mittelamerikaner mit ihren gerührten Fans und weinenden TV-Reportern, als erstmals bei einer WM ihre Nationalhymne erklang.

FLOPS:

Der Fluch des Weltmeisters: Deutschland prolongierte mit dem erstmaligen Scheitern in der Gruppenphase den Fluch des Weltmeisters. Seit Frankreich 2002 als Titelverteidiger gescheitert ist, hat es den Weltmeister mit Ausnahme von Brasilien 2006 bei der Titelverteidigung stets schon nach den Gruppenspielen erwischt. Deutschland schied mit zwei Niederlagen (0:1 gegen Mexiko, 0:2 gegen Südkorea) und einem glücklichen 2:1-Erfolg gegen Schweden sogar als Tabellenletzter der Gruppe F aus. Teamchef Joachim Löw darf dennoch weitermachen.

Tiki-Taka: Die Blütezeit des spanischen Kurzpass-Spiels ist wohl zu Ende. Nach EM-Titel 2008 und 2012 sowie WM-Triumph 2010 hat sich Spanien zum dritten Mal bei einem Großereignis vorzeitig verabschieden müssen. Schon vor Turnierbeginn gab es viel Wirbel: Teamchef Julen Lopetegui wurde wenige Tage vor dem Anpfiff entlassen, nachdem Real Madrid bekanntgegeben hatte, dass er nach der WM deren Trainer wird. Unter Interimsteamchef Fernando Hierro konnte Spanien nie an die Leistungen aus der Qualifikation anschließen und scheiterte im Achtelfinale an Gastgeber Russland im Elfmeterschießen.

spanien.jpg © getty
Spaniens Tici-Taca konnte sich nicht durchsetzen

Afrikas Nullnummer: Keine der fünf afrikanischen Mannschaften hat die Gruppenphase überstanden. Damit ging erstmals seit Wiedereinführung des Achtelfinales 1986 die erste K.-o.-Phase ohne Team des CAF über die Bühne. Ägypten, Tunesien, Marokko, Nigeria und Senegal haben in zusammen 15 Spielen nur drei Siege und zwei Remis geholt und gleich zehnmal verloren. Vor vier Jahren standen noch zwei afrikanische Teams im Achtelfinale.

Der sterbende Schwan: Brasiliens Superstar Neymar fiel trotz zwei Toren und zwei Assists zu selten durch spielerische Glanzpunkte auf. Stattdessen werden sich die Fans noch lange an völlig übertriebene Schauspieleinlagen erinnern. Der 222-Millionen-Euro-Mann zählte zwar zu den meistgefoulten Spielern in Russland, doch seine oftmals peinliche Theatralik stand in keinem Verhältnis zu der Schwere der Fouls. Der Traum seines ersten Titels bei einem Großereignis mit der "Selecao" muss zumindest weitere vier Jahre warten.

Superstars im Abseits: Lionel Messi (31) und Cristiano Ronaldo (33) bestritten voraussichtlich ihre letzte WM-Endrunde. Zugegeben: Die Beschreibung "Flop" beim portugiesischen Superstar ist angesichts von vier Toren gewagt. Sein Hattrick im ersten Spiel gegen Spanien (3:3) war maßgeblich am wohl spektakulärsten Spiel in der Gruppenphase beteiligt. Danach tauchte Ronaldo aber ebenso ab wie Dauerrivale Messi. Dessen Genialität reichte diesmal nicht mehr aus, um das schwache Kollektiv Argentiniens aufzufangen. Für die beiden Topstars endete das Turnier nach dem Achtelfinale, für den dritten Superstar, den Brasilianer Neymar, war im Viertelfinale Endstation.

Wagenburg-Mentalität: Die FIFA verpflichtete die Teams zu mindestens einem öffentlichen Training, viel mehr bekamen die Fans aber von den Teams auch nicht zu sehen. Deshalb haben es die meisten auch aufgegeben, ihren Teams hinterher zu reisen. Spanien etwa hatte keinen einzigen Anhänger beim Teamcamp in Krasnodar. FIFA-Präsident Gianni Infantino machte sich ebenfalls rar.

Der Tribünenkasperl: Argentiniens Legende Diego Maradona gab während des Spiels gegen Nigeria ein trauriges, ja fast tragisches Bild ab. Als der 57-Jährige, augenscheinlich nicht mehr ganz Herr seiner Sinne, dann auch noch obszöne Gesten zeigte, schwenkten die Fernsehkameras weg. Man solle nicht über ihn lachen, sondern ihm helfen, schrieb eine spanische Zeitung.

Maradona © Screenshot
Maradonna höchst emotional auf der Tribüne

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