14. März 2010 22:15
So erlebte Schumi seinen Comeback-Tag:
08.00 Uhr Ortszeit (minus 2 Stunden zur MEZ): Gemeinsames Frühstück mit
Ehefrau Corinna in der Villa auf dem luxuriösen Ritz-Carlton-Hotelkomplex.
Schumi gönnte sich Müsli mit Bananenscheiben. Ein Stunde später
verabschiedete er sich von Corinna mit einem Kuss und fuhr zur Rennstrecke.
Vor dem Start gönnte er sich ein Nickerchen
Bis 12.30 Uhr
folgten PR-Termine und Foto-Shootings. Dann eine Strategie-Besprechung mit
der Silberpfeil-Mannschaft und seinem Teamkollegen Nico Rosberg (24). Danach
Mittagessen (Pasta mit Parmesanstücken und Salat).
Es folgten Fahrerparade und noch ein kleines Nickerchen in einem Raum direkt
neben der Mercedes-Box. Dann wurde er noch einmal von seinem
Physiotherapeuten weich geknetet. Um 14.55 Uhr setzte sich Schumi den Helm
auf und stieg ins Auto. Ab zur Einführungsrunde.
Bei Schumi schoss das Adrenalin voll ein. 15Uhr Ortszeit, in Österreich ist
es erst 13 Uhr – der Start: Es ist soweit: Schumi gibt nach drei Jahren
Pause wieder Vollgas. Und er macht gleich einmal einen Platz gut. Schumacher
reiht sich eine halbe Sekunde vor Mark Webber (Red Bull) auf sechster
Position ein.
11. Runde: Schumi spulte unauffällig seinen Runden herunter. Auf den
führenden Sebastian Vettel fehlten ihm aber schon 16 Sekunden. In Runde 16
kam Schumacher, so wie Lewis Hamilton, an die Box und wechselte auf harte
Reifen. Dann reihte er sich wieder ins Feld ein.
Es fehlten nur die heißen Duelle mit den Rivalen
36. Runde:
Schumi bekam über Boxenfunk das Auspuff-Problem von Vettel mitgeteilt. Sein
Glück: Jenson Button hielt ihm den starken Red Bull von Webber vom Leib.
Sein 6. Platz war abgesichert.
44. Runde: Schumi wurde über Funk mitgeteilt, dass er Vettel, der auf Platz
vier zurückgefallen war, in der letzten Runde noch erwischen könnte. In der
Zwischenzeit waren ihm aber Button und Webber gefährlich nahe gekommen.
49. Runde: Schumi fuhr seinen 6. Platz relativ sicher ins Ziel. Erstes
Rennen, acht WM-Punkte. Die Rückkehr des siebenfachen Weltmeisters konnte
sich sehen lassen. Freilich fehlten die spektakulären Duelle mit seinen
Kontrahenten, aber er war zufrieden und meinte: „Es war gar nicht so
anstrengend.“
|
ÖSTERREICH: Herr Schumacher, wie haben Sie Ihr Comeback erlebt?
Michael Schumacher: Es hat viel Spaß gemacht. Der Start war
sehr gut, es hat gut funktioniert. Das hatten wir natürlich alles
trainiert, aber wenn es ernst wird, ist das schon noch einmal eine
andere Sache. Der Start war im Prinzip der interessanteste Part.
Danach war es die Odyssee, die man ja ein bisschen auch erwartet hat.
ÖSTERREICH: Sie sehen wie eh und je frisch und munter aus. War das
Rennen körperlich kein Problem?
Schumacher: Ich habe ja trainiert und mich vorbereitet. Das
Rennen selbst war nicht besonders anstrengend. Es liegt vielmehr
daran, dass die Reifen es nicht zulassen, dass man schnell fährt. Wenn
man sich die Rundenzeiten ansieht, dann fahren wir jetzt schon eine
ganze Ecke langsamer als vorher.
ÖSTERREICH: Auf was haben Sie sich am meisten konzentrieren müssen?
Schumacher: Es ging darum, keine Fehler zu machen und das Auto
nach Hause zu bringen. Man durfte nicht zu dicht auf den Vordermann
auffahren und musste sich Platz lassen, damit das Auto nicht
überhitzt. Man durfte auch die Reifen nicht zu sehr beanspruchen.
ÖSTERREICH: Was hat sich seit Ihrer Abwesenheit am meisten geändert?
Schumacher: Am auffälligsten sind mit Sicherheit die Reifen.
Speziell der Vorderreifen – der ist schon sehr schmal. Aufgrund meines
Fahrstils muss ich das Auto wohl noch dahin bringen, dass es so um die
Ecken herumgeht, wie ich mir das vorstelle.
ÖSTERREICH: Ist das überhaupt möglich? Was kann man am Auto ändern?
Schumacher: Natürlich ist das möglich. Man kann einiges an der
Aerodynamik tun. Man kann das Design des Monocoques ändern. Jetzt geht
es eigentlich nur darum, im Windkanal an einigen Optimierungen zu
arbeiten. Es gilt, die Entwicklungsprozesse zu beschleunigen, damit
wir unseren Rückstand irgendwann aufholen können.
ÖSTERREICH: Ist der Abstand zu Red Bull und Ferrari aufzuholen?
Schumacher: Naja, ich habe zu Beginn einer Saison schon große
Abstände gehabt – und am Ende des Jahres habe ich trotzdem um die
Meisterschaft gekämpft. Ich weiß, wie schnell sich das Blatt wenden
kann. Wir sind da, wo wir uns erwartet haben.
|
Bruder Ralf: "Jetzt hat er sich ein Bier verdient"
Mit
rund 2700 Zuschauern fieberte Ralf Schumacher in einer
Mercedes-Niederlassung mit. Lässig mit grauem Anzug und zwei iPhones in der
Hand verfolgte er das Rennen. „Auf dem iPhone habe ich alle Rundenzeiten
sofort drauf und bin immer topinformiert.“ Getippt hatte Schumi II Platz
fünf für den großen Bruder. Geworden ist es Platz 6.
Ralf: „Ferrari war eine Klasse für sich, aber ich dachte auch, dass Mercedes
näher dran ist. Für Michael war es wichtig, ein Rennen zu Ende zu fahren. Er
hat sicher etwas mehr geschwitzt als sonst, dann gibt’s eben viel Wasser und
am Abend ein Bier im Hotel. Für die Entspannung ist dann der Physiotherapeut
zuständig, was Corinna dann noch macht, weiß ich nicht!“
Schumi II wird heute mit Michael telefonieren und analysierte: „Michaels
Stärke ist es, jetzt mit dem Team das Auto weiterzuentwickeln. Für die
Saison ist noch alles drin.“