25. Juli 2010 15:34
Das Formel-1-Team von Ferrari hat nach dem Doppelsieg beim
Deutschland-Grand-Prix am Sonntag in Hockenheim wegen der Anwendung einer
verbotenen Stallorder eine Geldstrafe von 100.000 Dollar (77.537 Euro)
erhalten. Außerdem wird der Fall vor dem Motorsport-Council des
Internationalen Motorsport Verbandes (FIA) behandelt, hieß es in einer
FIA-Aussendung.
Das Team hatte durch eine offensichtliche Stallregie einen Platztausch
zwischen dem späteren Sieger Fernando Alonso und Felipe Massa angeordnet.
Laut Paragraf 39,1 des Sportregulatives ist aber eine Anordnung, die
Auswirkungen auf das Rennergebnis hat, verboten.
Ferrari dementiert Stallorder
Den zweiten Doppelsieg in dieser
Saison nach dem Auftaktrennen in Bahrain darf Ferrari damit zumindest
vorläufig behalten. "Es war keine Stallorder", versicherte Teamchef Stefano
Domenicali treuherzig, obwohl die ganze Formel 1 Zeuge eines von den
Strategen an der Box entschiedenen WM-Laufes geworden war. Der führende
Felipe Massa ("Es war ganz alleine meine Entscheidung") musste seinen
Teamkollegen Fernando Alonso in der 49. Runde vorbeiziehen lassen - und
befolgte den "Befehl" durch ein abruptes Abbremsen demonstrativ.
Teamorder ist seit 2002 verboten. Für weitere Beratungen über den dubiosen
Vorfall verwiesen die vier Rennkommissare daher die Causa an den
Motorsport-Weltrat, der bei seiner nächsten Sitzung darüber beraten soll.
FIA-Chef ist pikanter Weise mittlerweile Jean Todt. Der Franzose hatte als
damaliger Ferrari-Teamchef den Stein ins Rollen gebracht, als er 2002 beim
Österreich-GP in Spielberg dem führenden Rubens Barrichello per Boxenfunk
befahl: "Let Michael pass for the Championship."
Der frustrierte Barrichello hatte sich damals wie nun sein Landsmann Massa
so offensichtlich überholen lassen, dass diese Anordnung Fans und Buchmacher
empörte und letztlich zum offiziellen Teamorder-Verbot durch den
Internationalen Automobil-Verband FIA führte.
Schumacher: "Keine Kaffefahrt"
Während die meisten
Piloten die Ferrari-Aktion verurteilten, tanzte Rekord-Weltmeister Michael
Schumacher aus der Reihe. "Es ist keine Kaffeefahrt. Es geht um die WM. Wer
ab einem gewissen Zeitpunkt die meisten Punkte hat, auf den wird gesetzt.
Insofern kann ich das nachvollziehen", sagte der siebenfache Champion.
Kein Wunder, denn Schumacher hatte selbst in seiner Ferrari-Zeit jahrelang
davon profitiert, dass man ihm mit Barrichello und später Massa stets nur
gut bezahlte Adjudanten als Teamkollegen zur Verfügung gestellt hatte. "Was
ist Stallorder, Entschuldigung? Dieser ganze Mumpitz", bezog der nunmehrige
Mercedes-Fahrer deshalb auch klar Position pro Teambefehl. "Ich sehe das
ziemlich anders. Es kann nur einer Weltmeister werden."
Selbst Vettel, der Dritter wurde, konnte dem Ganzen freilich etwas
abgewinnen. "Auf jeden Fall ist es besser, als wenn es zwischen zwei
Teamkollegen zu einer Kollision kommt", wies der Deutsche auf den Platz eins
und zwei kostenden Crash zwischen ihm und Red-Bull-Kollege Mark Webber in
der Türkei hin. Vielsagend fügte Vettel hinzu: "Es wäre nicht clever, etwas
zu sagen, was ich eines Tages bereuen könnte. Wir verstehen, dass das Team
erste Priorität genießt."
Lauda: "Inakzeptabel"
Der dreimalige Champion Niki
Lauda polterte dagegen: "Ferrari siegt mit einem Riesenschönheitsfehler.
Diese Teamorder ist inakzeptabel." Logisch war auch die harsche Kritik der
Red-Bull-Verantwortlichen. "Es war ganz klar Teamorder. Sie haben Positionen
gewechselt und sich auch noch entschuldigt. Das ist schon eine Schande", so
Teamchef Christian Horner. "Sie haben dem einen den Sieg weggenommen und dem
anderen gegeben. Ich denke an 2002. Das muss jetzt die FIA entscheiden."
Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko ätzte: "Offensichtlicher kann man eine
Teamorder nicht vorführen als Ferrari das hier gemacht hat. Dass man
Teaminteressen hat, ist klar. Aber so plump, dass ein Fahrer den anderen
vorbei lässt, das habe ich lange nicht mehr gesehen."