01. März 2010 07:54
1. Was haben Nordische den Alpinen voraus?
Für ein alpines Land
wie Österreich ist das Ergebnis bei den Alpinen zwar eine Katastrophe, auch
wenn man die Kirche im Dorf lassen sollte: Im Riesentorlauf oder im Slalom
sind wir nur knapp an den Medaillenrängen vorbeigefahren. Für die Alpinen
wäre es jetzt wichtig - ähnlich wie bei den Nordischen -, wieder einen
Siegertypen im Team zu haben. Wie es Hermann Maier oder Stefan Eberharter
waren. Denn an denen können sich die anderen orientieren. Wenn man den im
Training schlägt, weiß man, man hat den Besten geschlagen und das gibt eine
ganz andere Einstellung.
2. Was können sich die Alpinen abschauen?
Rein vom Gefühl
her sind die Nordischen eine Familie. Sie helfen untereinander zusammen
-auch wenn ich nicht behaupten will, dass das die Alpinen vielleicht nicht
machen. Aber bei den Nordischen gilt das Prinzip "Nobody is perfect but the
team" - "Niemand ist perfekt, außer das Team." Und dieser Grundsatz
funktioniert schon sehr lange sehr gut. Abgesehen davon konnten sich die
Nordischen im Schatten der Alpinen still und leise und in aller Ruhe auf die
Olympischen Spiele vorbereiten.
3. War das jetzt eine Art Wachablöse?
Das sind zwei gänzlich
unterschiedliche Sportarten. Die zwei Lager kann man nicht gegeneinander
aufwiegen. Alpin hat Österreich so geprägt, wir hatten so viele Freude mit
denen. Aber natürlich werden die Nordischen alles daran setzen, weiterhin
Medaillen zu gewinnen. Und ich als Nordischer freue mich natürlich, dass
jetzt die Skispringer, Kombinierer und Biathleten so großen Erfolg haben.
Die größte Überraschung war für mich vielleicht Bernhard Grubers
Bronzemedaille im Einzel. Er hat gezeigt, dass man wirklich über sich
hinauswachsen kann, wenn man nicht immer alles analysiert.
4. Was bedeutet der Erfolg für Zukunft?
Die
Erwartungshaltung wird natürlich mit jeder Medaille, mit jedem Sieg
hochgeschraubt. Das kann bewirken, dass man sich verkrampft und nur noch an
diese Erwartungen denkt. Aber ich denke, dass den Sportlern bewusst wird,
dass der Erfolg jetzt einfach eine Folge davon ist, dass sie fleißig und gut
gearbeitet haben. Dass der Erfolg nichts Außergewöhnliches ist, wie ihnen
von außen oft suggeriert wird. Sie haben sich das sukzessive erarbeitet, mit
viel Einsatz und Leidenschaft.