Die Wahrheit hinter dem Sturz-Foto

Hermann Maier

Die Wahrheit hinter dem Sturz-Foto

Die TV-Bilder von Maiers Abflug nach 18 Sekunden der OIympia-Abfahrt flimmerten tagelang zur Primetime über die US-Bildschirme. Olympia-Sender CNN erreichte damit mehr Seher als mit jedem anderen Bewerb der Spiele in Japan. Dazu kaufte US-Olympiasender NBC den ORF-Beitrag, der die Maier-Eltern beim Live-Mitfiebern daheim in Flachau zeigten. Das „Ui-ui-ui“ der Austrian Herminator-Mom machten Kinder von Kalifornien bis New York nach.

»Entweder ich bin tot, oder ich hab mein Foto«

Bis heute berühmt ist das Foto, das es auf das Cover von Sports Illustrated schaffte – und später sogar in die Jahrhundertfotos-Ausgabe der berühmtesten Sportzeitschrift der Welt.

Im Gespräch mit ÖSTERREICH erinnert sich US-Fotograf Carl Yarbrough noch an jedes Detail der Olympia-Abfahrt. „Ich hatte mir die perfekte Stelle gesucht“, schildert der geübte Skifahrer. „Für die optimale Position habe ich eine Sperrholzplatte mit am Sessellift raufgeschleppt und eine Leiter. Auf der lauerte ich mit meiner Kamera.“ Jedes Mal wenn er das Geräusch der Läufer vom Andriften vor der Rechtskurve beim Alpen-Sprung hörte, ging Yarbrough in Stellung und drückte eine Sekunde später ab. Bei Maier hörte er nichts. Yarbrough: „Der war in der Luft und schoss auf mich zu. Ich wusste: Von der Leiter komm ich nicht mehr runter. Entweder, er erschlägt mich, oder ich hab ein super Foto.“ Der Mann hielt drauf. Klick-klick-klick ... „12 Fotos pro Sekunde machte meine Nikon. Das fünfte war perfekt.“

»Ich dachte: Das kann er nicht überlebt haben«

Wie man auf den TV-Bildern sehen kann, fliegt Maier beim Überschlag über den zweiten roten Fangzaun über etwas Dunkles. „Das war meine Jacke“, lacht Yarbrough. Damals war ihm allerdings nicht zum Lachen: „Ich war einmal Gerüstarbeiter und habe schlimme Unfälle gesehen. Ich dachte: Das kann er nicht überlebt haben. Aber er bewegte sich und stand auf. Unglaublich!“ Yarbrough war als Erster an der Sturzstelle. „Ich fragte: ‚Bist du okay?‘ Er nickte und stammelte wirres Zeug. Ich streckte erleichtert den Daumen in die Höhe: ,Great shot!‘ ... Wie gut das Bild war, sah ich erst, als die Dias entwickelt waren.“

Drei Jahre später kam es zu einem entspannten Treffen zwischen Herminator und Star-Fotograf. Bei der Ski-WM in St. Anton 2001 erinnerten sich beide an die Augenblicke, die ihr Leben verändern sollten. 

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