Beach-WM: Doppler/Horst holen Silber

Fast perfektes Sommermärchen

Beach-WM: Doppler/Horst holen Silber

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Die Österreicher Clemens/Doppler und Alexander Horst haben bei den Weltmeisterschaften der Beach-Volleyballer die Silbermedaille gewonnen. Die sensationell ins Finale gekommenen Lokalmatadore unterlagen im Duell um Gold den Brasilianern Evandro/Andre Loyola (0:2 (-21,-20). Es ist die erste WM-Medaille für Rot-Weiß-Rot. Für Brasiliens Herren ist es im elften WM-Turnier der gesamt siebente Titel.

Bronze hatten sich davor die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow/Nikita Ljamin durch ein 2:0 (17,17) gegen die Niederländer Christiaan Varenhorst/Maarten van Garderen gesichert.

Die Stimmung bei der Beach-WM war auch am Finaltag überwältigend:

"Jetzt gerade schwierig", drang bei Horst im ORF-Interview die Enttäuschung über verpasstes Gold durch. "Weil wir gut dabei waren, unsere Chancen hatten. Aber wir sind Vizeweltmeister. Das ist natürlich ein Traum." Das meinte auch Doppler: "Natürlich ist es trotzdem ein Traum. Wir haben vorher gesagt, die Mutigen werden belohnt. Sie sind heute dafür belohnt worden und haben verdient gewonnen. Wir haben ihnen aber absolut die Stirn geboten."

Bestes Turnier für Doppler/Horst
Der Oberösterreicher meinte zudem, dass es für sie das beste Turnier ihrer Karriere gewesen sei: "Für uns waren die letzten zehn Tage trotzdem eine unglaubliche Reise." Horst wusste, dass die Freude über den zweiten Platz, die erste ÖVV-WM-Medaille im Beach-Volleyball in der allgemeinen Klasse, schon bald kommen würde. "Es ist eine Riesensache für uns. Im Endeffekt eine sensationelle Leistung von uns, ein super Turnier", meinte der Wiener.

Doppler/Horst hatten nach ihrem gegen die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow/Nikita Ljamin mit 2:0 (20,19) gewonnenen Halbfinale eine Stunde weniger Pause vor dem Endspiel als ihre Finalgegner, deren Viertelfinale zudem Samstagvormittag ausgetragen worden war. Das ÖVV-Duo war hingegen erst am Abend an der Reihe gewesen. Trotzdem war beim 36-jährigen Doppler und 34-jährigen Horst nichts von körperlicher Müdigkeit zu merken.

Sie hatten es aber mit einer überaus starken Paarung zu tun. Praktisch jedes einzelne brasilianische Duo war für Gold gut gewesen, diese beiden hatten es schließlich ins letzte Spiel des Turniers geschafft. Der 27-jährige Evandro startete auch gleich mit zwei Hammerpunkten über das Service, Horst aber konterte mit einem Ass, aus einem 0:2 wurde ein 3:2. Danach hatten die Heimischen vorübergehend Oberwasser, gingen 10:7 in Front.

Wie schon in der Vorschlussrunde beeindruckten Doppler/Horst mit druckvollem Service, starken Blocks und gefinkelten, gefühlvollen Punkten am Netz. Davon überzeugten sich im mit 10.000 Zuschauern gerammelt vollen Center Court an der Floridsdorfer Brücke zahlreiche Prominente, allen voran Bundeskanzler Christian Kern. Der SP-Politiker überreichte später auch die Goldmedaillen an die neuen Titelträger.

Evandro mit Hammer-Service
Bis die Südamerikaner den Pokal stemmen durften, war es aber ein hartes Stück Arbeit. Eine kleine Schwächephase der Österreicher nutzten sie zu einer 13:10-Führung, dann aber folgten die stärksten Minuten der Lokalfavoriten. Horst gab mit einem Ass zum 15:14 sozusagen das Startzeichen dafür, wenig später stand es 20:16. Vier Satzbälle und später noch ein fünfter, doch der Durchgang ging an die anderen. Hauptverantwortlich dafür Evandro mit drei Assen.

"Er ist nicht umsonst der beste Servicespieler der Welt. Die Mutigen werden belohnt", sagte Doppler danach. "Am Schluss sind es genau die vier Satzbälle." Mit einem Block und einem Service-Annahmefehler Dopplers war das 23:21 für die späteren Weltmeister fixiert.

Im zweiten Durchgang blieben Doppler/Horst dran. Bei 11:12 gab Doppler einen für ihn und Horst gegebenen Punkt sportlich fair freiwillig ab, er habe den Schlag der Brasilianer berührt. Dennoch gelang noch einmal der Ausgleich, Doppler erzwang ihn mit einen Bomben-Service und anschließendem Block zum 19:19. Doch kurz später gab es den ersten Matchball Brasilien. Den verschlug Evandro noch, beim zweiten allerdings blieb Horst im Block der Gegner hängen.



Bronze hatten sich davor Krasilnikow/Ljamin durch ein 2:0 (17,17) gegen die Niederländer Christiaan Varenhorst/Maarten van Garderen gesichert. Es ist die zweite WM-Medaille für Russland nach Silber 2007 in Gstaad, damals errungen von Dimitri Barsuk/Igor Kolodinski. Die niederländischen Herren gingen erstmals seit Rom 2011 leer aus. 2013 hatte es Gold, 2015 Silber gegeben.

Größter Erfolg für Doppler/Horst
WM-Silber in Wien für Clemens Doppler/Alexander Horst ist die Krönung einer Erfolgsgeschichte, an der viele Jahre gearbeitet wurde. Die beiden spielen ihre bereits sechste gemeinsame Saison, im dem mit häufigen Partnerwechseln versehenen Beach-Volleyball eher eine Seltenheit. Doch nach Olympia-Rang neun 2016 haben sich Doppler/Horst entschieden, die Heim-WM noch gemeinsam in Angriff zu nehmen.

Doppler spielt seine schon 20. Saison auf der World Tour, Horst hat da vor 14 Jahren erstmals aufgeschlagen. Beide haben sich ihr Rüstzeug an Pritschen, Baggern und Schlagen in der Halle geholt, beide haben im Wiener Budocenter beim damaligen Serienmeister hotVolleys gespielt. Als Bayernwerk schaffte es der Club mit dem 17-jährigen Horst 2000 zu Rang vier im Final Four der Champions League. Knapp zwei Monate danach kam Doppler von Enns nach Wien.

Doppler spielte parallel zu seinen Beach-Aktivitäten noch bis 2002 im Hallen-Nationalteam, Horst bis 2004. Danach aber erhielt Outdoor vor Indoor absolute Priorität. Dopplers Beach-Partner waren Helmut Hirner (bis 1999), Dietmar Maderböck (2001), Nik Berger (2002 bis 2005), Peter Gartmayer (2006 bis 2008) und Matthias Mellitzer (2009 bis 2011). An Horsts Seite standen Sebastian Göttlinger (2004 bis 2006), Florian Gosch (2006 bis 2010) und Daniel Müllner (2011).

Schon in dieser Zeit waren Doppler und Horst alles andere als unerfolgreich. Der heute 36-jährige Doppler holte 2003 mit Berger und 2007 mit Gartmayer EM-Gold, der 34-jährige Horst 2009 mit Gosch EM-Silber. Das wertvollste Ergebnis auf Olympia-Ebene landeten Gosch/Horst 2008 in Peking mit dem Viertelfinale bzw. als Fünfte. Bei Weltmeisterschaften erreichte Doppler dreimal ein Achtelfinale, Horst einmal.

Erfolgsduo krönte Zusammenarbeit
Dieses eine Mal standen sie 2013 bereits Seite an Seite, ein Jahr darauf folgte EM-Bronze. Doppler/Horst entwickelten sich im Lauf der Jahre zur erfolgreichsten rot-weiß-roten Equipe. Dieser dritte EM-Platz glückte nur zehn Monate, nachdem Doppler seinen dritten Kreuzbandriss erlitten hatte. Der erste war in Marseille 2004 passiert, der Welser verpasste so die Spiele in Athen. Doppler kam aber zurück und ist nun wie Horst dreifacher Olympia-Teilnehmer.

Nach London 2012 hatten es Doppler/Horst trotz erst kurzem Zusammenspiel geschafft, nämlich über den Continental Cup. Nach Platz 19 auf der Guards Parade im Zentrum der britischen Hauptstadt bzw. einem nur knapp verpassten Aufstieg in die K.o.-Phase - 2008 hatte Doppler mit Gartmayer das Olympia-Achtelfinale erreicht - ging es Richtung Rio 2016. In der Heimat des Beach-Volleyballs sollte es mit dem großen Coup klappen.

An ihrer Seite ist stets Robert Nowotny, der Coach. Er führte sie an der Copacabana u.a. zum Sieg über Alison/Bruno, die Weltmeister von Den Haag 2015. Die Brasilianer wurden dennoch Olympiasieger, für die Österreicher war im Achtelfinale Endstation. Nach der Saison folgten Spekulationen über neue ÖVV-Team-Kombinationen, alles hing von Doppler/Horst ab. Die in Rio bekanntgegebene Ausrichtung der WM 2017 erleichterte schließlich die Entscheidung.

Neu geordnet wurde aber die Struktur im österreichischen Beach-Bereich. Ein Nationalteam wurde gebildet, bei den Herren vier Teams, Hauptstützpunkt Wien. Doppler/Horst sind da die Zugpferde, als solche gingen sie auch ins WM-Turnier. Der Druck lag auf ihnen. Während der Saison war es nicht immer ganz rund gelaufen, doch wurde versichert, der Weg in Richtung WM stimme. Dass das kein Zweckoptimismus war, haben Doppler/Horst nun eindrucksvoll bewiesen.

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