01. Juni 2010 06:52
Seine Aussage vor dem Olympia-Untersuchungsausschuss des Salzburger
Landtages hat am Dienstag der Stratege und Berater Erwin Roth für einen
Rundumschlag gegen den Aufsichtsrats-Chef der Bewerbung, Salzburgs
Bürgermeister Heinz Schaden (S), genutzt. Inhaltlich haben seine
Ausführungen kaum Neuigkeiten ans Tageslicht gebracht.
Schaden soll Zahlungen veranlasst haben
So bezichtigte Roth den
Bürgermeister des Alleingangs: Schaden habe Anton Schutti "in
Gutsherrenmanier zum Alleingeschäftsführer" der
Bewerbungsgesellschaft bestellt. Auch für etliche Zahlungen hätte der
Bürgermeister höchstpersönlich die Anweisung gegeben, etwa 50.000 Euro für
den inzwischen zurückgetreten Geschäftsführer Fedor Radman oder 66.000 Euro
an eine leitende Mitarbeiterin.
Tobsuchtsanfall von Radmann
Schaden habe sich auch inhaltlich
stark eingemengt. Zum Beispiel sei ihm das Durchführungsbudget zu hoch
gewesen. Er habe daher den Entwurf angefordert, den außer der
Geschäftsführung noch niemand kannte. Tags darauf sei das Budget in
örtlichen Medien zu lesen gewesen. Derartige Indiskretionen hätten der
Bewerbung international geschadet und Probleme bei der Sponsoren-Akquise
bereitet. Radman habe damals eine Tobsuchtsanfall bekommen und gesagt "Schaden
macht mich krank".
Förderverein war Wunsch Schadens
Auch der Förderverein sei
ein Wunsch des Bürgermeisters gewesen. Dort sollten die Sponsorengelder
eingesetzt und die Ausgaben der öffentlichen Kontrolle entzogen werden. "Was
international oder Schaden zu teuer war, musste von Wien (dem Verein, Anm.)
bezahlt werden", so Roth. An sich seien GmbH und Verein kommunizierende
Gefäße gewesen, einer habe dem anderen ausgeholfen, wenn es zu Engpässen
gekommen sei.
Aufhorchen ließ Roth auch mit der Aussage, dass Schutti Chef des
Fördervereins habe werden wollen. Denn Schutti selbst nannte den Verein als
einen der Gründe, weshalb er vorzeitig zurückgetreten sei.
Roth nicht vor Schaden "versteckt"
Schließlich ging es
auch darum, ob Schaden überhaupt von Roths Tätigkeiten wusste. Astrid
Rössler, Ausschussvorsitzende von den Grünen, konfrontierte Roth mit einer
Aussage, dass er den Raum verlassen musste, wenn Schaden diesen betrat. Roth
sei vor Schaden "versteckt" worden. Konter von Roth: "Ich
wurde offiziell der Presse vorgestellt. Dass ich versteckt wurde, wie Frau
Andrea Wieser behauptet, ist Humbug!" Und weiter: "Ich habe alle
Reden für Schaden geschrieben. Auch jene bei der Präsentation in Guatemala
(wo die Olympiavergabe für 2014 stattfand, Anm. d. Red.), weil sein Englisch
so dürftig ist, dass er keinen geraden Satz herausbrachte." Dann
gab Roth noch eine Spitze gegen den Salzburger Bürgermeister ab: "Ich
war auch da, als er einmal verkatert bei einer Sitzung ankam und ich seine
Rede vorbereitet hatte."
Audi-Sponsoring "verpennt"
Das Sponsoring mit Audi
habe die Gesellschaft "verpennt". So habe der Förderverein die
300.000 Euro erhalten, während die Autos im Gegenwert von 200.000 Euro in
Salzburg verwendet wurden. Deshalb sei das Geschäft rückabgewickelt worden.
Dazu habe die Gesellschaft die 300.000 Euro an den Verein überwiesen, dieser
zahlte an Audi zurück und der Automobilhersteller überwies den Betrag nach
Salzburg.
Roth sagte auch, dass von Anfang an klar gewesen sei, dass erst 2018 wieder
die realistische Chance für Winterspiele in Europa gegeben sei. 2014 sei
eher als Zwischenkandidatur gesehen worden, weil ein mehrmaliges Antreten
als sinnvoll erachtet wurde. Der damalige Sportreferent LHStv. Othmar Raus
(S) und andere hätten daher anfangs auch immer von der Bewerbung 2014/18
gesprochen.
Zu seinem Honorar über 90.000 Euro monatlich meinte Roth,"fürstlich
war das gar nicht. Ich habe sogar einen Verlust gemacht mit meinem Auftrag."
Mit diesem Honorar habe er 58 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt.
Jungwirth vs. Schaden
Bis zum Abend dauerte am Dienstnachmittag
die Einvernahme des damaligen ÖOC-Generalsekretärs Heinz Jungwirth, der
Schriftführer des Olympia-Fördervereins und auch für die Finanzen zuständig
war. Wie Erwin Roth sagte auch Jungwirth, dass Salzburgs Bürgermeister Heinz
Schaden (S) die Gründung des Vereins initiiert habe. "Es war der dringende
Wunsch von Schaden an Wallner, dass man so einen Verein macht. Der
Förderverein war ein Schaden-Wallner-Conclusio."
Auch der zweite Rechnungskreis der Bewerbungsgesellschaft sei auf Wunsch des
Bürgermeisters installiert worden, "des Rotweins wegen", sagte Jungwirth.
Schaden habe damit vermeiden wollen, dass Essenseinladungen beispielsweise
an ein IOC-Mitglied nicht in den Ausschüssen diskutiert werde, so wie damals
bei der Bewerbung Salzburgs für 2010. Der Bürgermeister habe Sponsorbeträge
in dem Rechnungskreis und in einem eigenen Verein haben wollen, "um sie
nicht der öffentlichen Kontrolle darzubieten".
"Manche wollen sich abputzen"
Grundsätzlich seien der
Förderverein und die GmbH zwar zwei unterschiedliche Körperschaften gewesen,
die Geschäftsführer der GmbH hätten mit dem Verein aber "engstens
kooperiert". "Einziges Ziel war, die Bewerbung positiv abzuschließen",
betonte Jungwirth. "Es haben alle gemeinsam an einem Strang gezogen. Da hat
niemand gesagt, das macht's ihr, und das macht's ihr."
Dass sich nun manche "abputzen" wollten, in dem sie meinten, sie wüssten von
nichts mehr, bezeichnete Jungwirth als "unangenehm". Die Aufgabe des
Fördervereins sei gewesen, große Unternehmen als Sponsoren an Land zu ziehen
und mit ihnen Verträge abzuschließen. "Die Gegenleistung ist in Salzburg
festgelegt worden. In welcher Form man sie anbietet, ist von der GmbH in
Salzburg ausgehandelt worden."
Nächste Seite: Den spannenden Liveticker der Roth-Befragung nachlesen
13.35 Uhr: Damit ist auch die Einvernahme von Erwin Roth zu Ende.
Wir verabschieden uns damit ebenfalls aus dem Salzburger Landtag.
13.33 Uhr: Jetzt geht es noch um die 290.000 Euro, die Roth an
Ex-ÖSV-Coach Walter Mayer für Autorenrechte überwiesen haben soll. Roth
bezeichnet dies als "Angeld". Weil das kroatische Recht diesen
Begriff nicht kenne, sei dieses Geld als Darlehen ausgewiesen worden sein.
Mayer habe aber nicht wie ausgemacht geliefert und auch das Geld nicht
zurückgezahlt. Roth bezeichnete Mayer als Künstler. Er habe ihn bereits
verklagbt, aber Mayer sei mittellos.
13.22 Uhr: Angesprochen auf die Summe von 300.000 Euro meinte Roth,
dies sei ein Kreisgeschäft zwischen Förderverein, Audi und der GmbH gewesen,
aber niemals ein Darlehen, "wie es andere behaupten".
13.15 Uhr: Roth bringt nun auch Ex-ÖOC-Präsident Wallner ins Spiel.
Dieser habe ihn ursprünglich als ersten Geschäftsführer der Bewerbung
vorgeschlagen. Er, Roth, habe aber abgewunken und wäre wenn dann nur kurz
eingesprungen.
13.12 Uhr: Der U-Ausschuss will wissen, wieso Roth bei Meetings als
Journalist und nicht als Mitarbeiter der Bewerbung geführt wurde. Roth
antwortet, dass er das nicht wisse - "das müssen andere beantworten.
Ich habe mich aber auch manchmal als Journalist akkreditiert, um selbständig
tätig zu sein."
13.06 Uhr: Frage Schwaighofer: "Glauben Sie, dass 2014 eine Art
Trainingsbewerbung war?" Roth: "Es war eine sehr gute Bewerbung,
es gab nur ein schlechtes lokales Management."
13.04 Uhr: Roths Antwort: Es hätte eine Außenseiterchance von 30
Prozent gegeben. Für 2018 hätte es laut Aufsichtsrat-Mitgliedern eine
bessere Chance gegeben. Diese hätte man mit einer seriösen Bewerbung für
2018 unterstreichen können.
13.03 Uhr: Schwaighofer kontert: Salzburg sei in der Bewerbung naiv
gewesen, da bei Olympia-Bewerbungen andere Kriterien gelte. Wieso habe Roth
das als Experte nicht gewusst oder gewarnt?
12.57 Uhr: Roth gibt an, dass Bürgermeister Schaden das Budget für
die Bewerbung vorab zusammengestrichen habe, damit es lokal vertretbar sei.
12.50 Uhr: Roth präzisiert: Die Zahlung an Radmann sei am 28. Juni
2007 von Schaden angewiesen worden sein, allerdings über den Förderverein
abgewickelt worden.
12.46 Uhr: Laut Roth habe Schaden Zahlungsanweisungen an Leitner und
Höller getätigt, obwohl er das nicht durfte. Am Ende hätten Radmann 50.000
Euro und Wieser 66.000 Euro kassiert. Das Geld wurde via Förderverein an die
beiden überwiesen, damit die GmbH keine Probleme bekomme.
12.42 Uhr: Jetzt nimmt Roth Stellung zum Thema, er habe den Raum
verlassen müssen, sobald Bürgermeister Schaden auftauchte. Roth: "Das
stimmt nicht, ich war sehr wohl im Raum. Ich habe alle Texte geschrieben,
auch die für Schaden. Ich war auch da, als er einmal verkatert bei einer
Stizung ankam und ich seine Rede vorbereitet hatte."
12.39 Uhr: Cyriak Schwaighofer von den Grünen will wissen, wieviele
Mitarbeiter Roths Firma hatte. Roth: "Ich hatte 58 fixe und freie
Mitarbeiter."
12.36 Uhr: Roth weiter: "Ich hatte Kontakt zu allen Mitgliedern
des Aufsichtsrates, war aber niemals Gast bei den Aufsichtsratssitzungen.
Ich wurde nie eingeladen."
12.33 Uhr: Es geht etwas sachlicher weiter. Roth gibt zu Protokoll,
dass Schaden gesagt hätte, er wolle eine uneingeschränkte Haftung des Bundes
für die Olympischen Spiele. Er, Roth, sei von Schaden damit beauftragt
worden, diesen Wunsch in die Realität umzusetzen.
12.27 Uhr: Die aufgeheizte Stimmung im Saal beruhigt sich langsam
wieder etwas.
12.19 Uhr: Walter Steidl (SPÖ) liefert sich ein Wortgefecht mit
Roth. Der ohnehin nicht gerade zimperliche Umgangston im Salzburger Landtag
wird von Minute zu Minute rauher.
12.16 Uhr: Die Vorsitzende Rössler (Die Grünen) will wissen, wieos
die GmbH trotzdem hohe Honorare an internationale Berater gezahlt hat.
Trockene Antwort Roths: "Schlechtes Management".
12.11 Uhr: Roth: "Plötzlich wurden 50.000 Euro an Fedor Radmann
als Gehalt überwiesen. Auch ich habe mein Gehalt vom Förderverein bekommen,
weil Schaden solche Sachen nicht bezahlen wollte."
12.10 Uhr: Dem Förderverein wurde all jenes umgehängt, was
international ankam oder zu teuer für Schaden und die GmbH war.
12.09 Uhr: Roth zur Aufteilung der Rechnungskreise: Die Salzburg
GmbH sollte alles haben, was wenig kostete und politisch vertretbar war.
Dazu noch alles, was sich lokal in Salzburg abspielte.
12.05 Uhr: Laut Roth wollte Schaden die Gründung eines
Fördervereins. Der Auftrag zur Umsetzung kam dann vom damaligen
ÖOC-Präsidenten Wallner und dessen Generalsekretär Jungwirth.
12.02 Uhr: O-Ton Erwin Roth: "Wenn es ums Geld ging nannte man
Schaden den 'Heinzi mit den leeren Taschen'." Angeblich durften keine
Topberater durch die GmbH bezahlt werden.
11.59 Uhr: Roth reitet weiter heftige Attacken gegen Salzburgs
Bürgermeister Schaden. "Ich habe alle Reden für ihn geschrieben.
Auch jene bei der Präsentation in Guatemala, weil sein Englisch so dürftig
ist, dass er keinen geraden Satz herausbrachte."
11.58 Uhr: Der Eingangs-Monolog von Roth ist zu Ende, jetzt beginnt
die Vorsitzende Astrid Rössler mit der Befragung. Laut früheren Zeugen, sei
Roth vor Bürgermeister Schaden "versteckt" worden sein. Roth
kontert, er sei bei allen Sitzungen dabei gewesen: "Ich wurde offiziell
der Presse vorgestellt, habe ich aber oft im Hintergrund gehalten. Dass ich
versteckt wurde, wie Frau Andrea Wieser behauptet, ist Humbug!"
11.54 Uhr: Roth hat laut eigenen Angaben für seine Tätigkeiten
90.000 Euro pro Monat an die GmbH und den Förderverein in Rechnung gestellt.
Roth ist der Meinung, dass ihm der Förderverein noch mehr als 300.000 Euro
schuldet, die nie bezahlt worden sind.
11.45 Uhr: Roth erklärt einmal mehr seine "Beratertätigkeit".
Inzwischen ist auch Heinz Jungwirth eingetroffen. Er sitzt im Vorraum und
wirkt - wie zuvor auch Roth - sehr entspannt.
11.43 Uhr: O-Ton Roth: "Schaden hat keine Ahnung von einer GmbH".
11.42 Uhr: Und weiter geht es mit Heinz Roth. Er legt gleich mächtig
los, greift Salzburgs Bürgermeister Schaden persönlich an, bezeichnet ihn
als Leiter der GmbH als "unfähig".
11.39 Uhr: Heinz Jungwirth ist bisher übrigens noch nicht im
Salzburger Landtag eingetroffen.
11.37 Uhr: So sieht das weitere Programm aus: Roth soll ca. eine
Stunde einvernommen werden, dann gibt es eine weitere kurze Pause bevor
Ex-ÖOC-Generalsekretär Jungwirth vor den U-Ausschuss treten muss.
11.33 Uhr: Es gibt jetzt eine kurze Pause von knapp 8 bis 10
Minuten, dann ist Erwin Roth dran.
11.31 Uhr: Olympia-Berater Erwin Roth wartet weiterhin auf seinen
Auftritt vor dem Salzburger U-Ausschuss.
11.23 Uhr: Gmachl kommt nochmals auf Berater Roth zurück. Er,
Gmachl, habe demnach nichts von Roths Beratertätigkeit gewusst. Rössler legt
eine Urkunde mit einer Liste von 20 Lobbyisten vor, die bei Olympia beraten
haben. Laut Gmachl war keiner von dieser Liste für die Salzburger GmbH
tätig. Dies wäre Sache des Olympiavereins in Wien gewsen. Doch genau diese
Berater wurden auch von der Olmypia GmbH in Salzburg bezahlt.
11.18 Uhr: Nach wie vor steht Wolfgang Gmachl im "Kreuzverhör"
des U-Ausschusses. Momentan geht es um jenen zweiten Rechnungskreis, der
Sponsorengelder betrifft. Laut Gmachl sei alles korrekt kontrolliert worden.
Ausschuss-Vorsitzende Astrid Rössler legt jedoch Papiere vor die belegen,
dass nicht genau kontrolliert wurde.
11.15 Uhr: "Berater" Roth hat schon vor dem U-Ausschuss im
ÖSTERREICH-Interview aufhorchen lassen, als er zu Protokoll gab, dass
Bürgermeister Schaden Anfang 2004 gefordert hätte, "dass ein
eigener Verein gegründet wird, der weder Kontrollamt noch Rechnungshof
unterliegt."
11.11 Uhr: Riesiges Mediengedränge heute im Salzburger Landtag.
Dutzende Journalisten sind hier, auch etliche Fotografen.
11.09 Uhr: Laut Mitgliedern der Salzburger
Olympia-Bewerbungsgesellschaft wusste niemand, was Roth dort eigentlich
machen sollte. Diese Aussage macht Bürgermeister Heinz Schaden etwas
stutzig.
11.06 Uhr: Roth selbst sollte demnächst dran kommen. Er wartet
bereits grinsend im Vorraum. Roth hat hunderte Unterlagen mit dabei, gibt
sich siegessicher.
11.05 Uhr: Im Moment sagt Wolfgang Gmachl von der WK Salzburg aus.
Er sagt, Roth war für das ÖOC tätig, aber nicht für die
Bewerbungsgesellschaft.
11 Uhr: Große Spannung heute im Salzburger Landtag. Olmypia-Berater
Erwin Roth und Ex-ÖOC-Generalsekreträ Heinz Jungwirth sollen heute vor dem
Untersuchungsausschuss des Salzburger Landtags aussagen. Im Mittelpunkt
stehen die finanziellen Ungereimtheiten rund um die missglückte Salzburger
Olympia-Bewerbung.