17. März 2010 18:37
Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) hat am Mittwoch in der
Vorstandssitzung zukunftsweisende Entscheidungen getroffen und mit dem
Vorarlberger Banker Peter Mennel einen Mann aus der Wirtschaft als neuen
Generalsekretär bestellt. Der 54-jährige Flugsportler und Extrembergsteiger
tritt sein neues Amt am 1. Juni an. "Für mich ist es die Erfüllung eines
Jugendtraumes, in der Olympischen Bewegung einen Beitrag zu leisten", sagte
Mennel, der u.a. auch Vizepräsident des Vorarlberger Skiverbandes sowie
Rechnungsprüfer im Weltverband ist.
Übernimmt Bogner-Amt
Nach auf zwei Inserate erfolgten 107
Bewerbungen für den Posten des Generalsekretärs wurden mit 25 Kandidaten
persönliche Gespräche geführt, 7 kamen in die engere Auswahl, Mennel machte
das Rennen. Der Vorstands-Vorsitzende der Sparkasse Bregenz wird seinen bis
Ende Mai laufenden Vertrag erfüllen, und dann seine Tätigkeit für das ÖOC
aufnehmen. "Er ist für uns die ideale Verbindung zwischen Management, Sport
und Verbandkompetenz. Er ist der richtige Mann mit den richtigen Fähigkeiten
und Skills zur richtigen Zeit. Er weiß, wie der Sport tickt. Und er weiß
auch ganz genau, wie Sport erfolgreich vermarktet werden muss", sagte
ÖOC-Präsident Karl Stoss.
Mennel übernimmt das Amt im Juni von Matthias Bogner. Bogner hatte diesen
Job seit 1. März 2009 und der vorhergegangenen Auflösung des Dienstvertrages
mit Heinz Jungwirth neben seiner Tätigkeit als Sportdirektor inne.
"Es gab geheimes Verrechnungskonto"
Aus Sicht des ÖOC
weit weniger erfreulich war hingegen der Bericht der unabhängigen
Untersuchungskommission, die die Aufgabe hatte, allen Spuren nachzugehen, um
mögliche Altlasten aufzudecken bzw. mögliche Fehlverrechnungen zu
identifizieren, so Stoss. "Es gab in der Tat ein, für den Großteil des
ehemaligen ÖOC-Vorstandes nicht ersichtliches, geheimes Verrechnungskonto.
Von diesem Konto gibt es relativ hohe Kontobewegungen. Wir stellen die
Erhebungsergebnisse mit sofortiger Wirkung der Staatsanwaltschaft zur
Verfügung. Die Verdachtsmomente sich derartig groß, dass es hier zu
Malversationen gekommen ist, dass wir dies zur Anzeige bringen", sagte
Stoss.
Einstimmig sei auch der Entschluss gefasst worden, die bisherige
stellvertretende Generalsekretärin Manuela Kovarik fristlos zu entlassen,
die auf diesem Konto zeichnungsberechtigt gewesen sei. Kommissions-Mitglied
Franz Marhold berichtete auf der Pressekonferenz am Mittwoch von fehlender
Bilanzerstellung im ÖOC, fehlender Gewinn-Verlustrechnung, nicht
ordnungsgemäßer Buchhaltung, weil die Kassabücher vor 2006 fehlten.
"Restlose Aufklärung" gefordert
"Ein exaktes Bild
des Rechnungswesens ist immer noch nicht möglich. Wir haben aber so weit
Fakten festgestellt, dass es uns erforderlich erscheint, die Justizbehörden
einzuschalten, weil eine private Expertenkommission natürlich niemanden
verpflichten kann, Auskünfte zu erteilen und Unterlagen vorzulegen. Wir
haben keine Zwangsmittel", sagte Marhold, der auch genau erklärte, wie man
auf das Verrechnungskonto gekommen sei und wie das Geld aus der offiziellen
Buchhaltung in das geheime Verrechnungskonto gelangte.
Noch sei man nicht so weit, feststellen zu können, an wen die Überweisungen
gegangen sind oder an wen das Geld bar ausbezahlt wurde. "Aber allein diese
scheinbare Doppelverrechnung ist Inhalt genug, einen Anfangsverdacht zu
formulieren und der Staatsanwaltschaft mitzuteilen. Immerhin finden sich auf
den fälschlichen Zahlungsbelegen auch Stempel des Bundeskanzleramtes mit dem
Vermerk 'geprüft'. (...) In Wahrheit ist aber kein Zahlungsfluss nach außen
gegangen, sondern erfolgte auf das interne Verrechnungskonto", erläuterte
Marhold.
Stoss, der seit Oktober vergangenen Jahres ÖOC-Präsident ist, wünscht sich
"restlose Aufklärung", damit endlich ein Strich unter die Vergangenheit
gezogen werden könne. Er selbst versicherte, "nichts von einem geheimen
Konto gewusst" zu haben. "Uns kann nichts nachgesagt werden, wir haben mit
1.1.2010 extern sofort doppelte Buchhaltung und eine externe Lohnverrechnung
eingezogen."