17. März 2010 13:35
Riesenhype, Erleichterung und enorme Vorfreude. Die Comeback-Ankündigung von
Golf-Superstar Tiger Woods ist am Dienstag das Topthema in den USA gewesen.
Fans, Sponsoren, TV-Anstalten, Profis, Turnierdirektoren - alle sehnen die
Rückkehr des "Tiger" beim Masters in Augusta herbei.
"Das wird neben der Ernennung von Barack Obama zum US-Präsidenten ein,
wenn nicht sogar das größte Medienspektakel der jüngsten Geschichte",
prophezeite Sean McManus, Präsident des US-Netzwerksenders CBS Sports and
News, der das Turnier in Augusta übertragen wird. "Es ist
großartig für den Golfsport, dass er zurück ist",
betonte Padraig Harrington, immerhin dreimaliger Gewinner eines
Major-Turniers.
Kaum hatte Woods die entscheidenden Worte gesagt ("nach einer langen
und notwendigen Spielpause fühle ich mich bereit, meine Saison in Augusta zu
beginnen"), wurde er vom Internet-Wettanbieter VictorChandler.com
bereits als 9:2-Favorit auf den Gewinn des Masters geführt. Damit der
berufliche Alltag nach seinem Sex-Skandal nicht zum Spießrutenlauf wird, hat
sich der 34-Jährige für den Augusta National Golf Club", die "gute
Stube des Golfsports" entschieden. "Tiger sucht sich für Rückkehr
behaglichen Ort", schrieb die "New York Times".
Bei keinem Major-Turnier sind Medien und Zuschauer so ausgewählt wie beim
Masters, das Woods bisher viermal gewann. Die Organisatoren kontrollieren
genau, wer Zugang zum Gelände des edlen Clubs bekommt. "Wir
unterstützen alles, was für den Neuaufbau seines privaten und
professionellen Lebens nötig ist", kündigte dessen Präsident Bill
Payne an. Wer die strengen Clubregeln verletzt - zum Beispiel Handys oder
Kameras benutzt - riskiert dauerhaften Ausschluss.
"Deshalb macht es Sinn für Tiger, in Augusta zurückzukehren. Die
Anstandsregeln und das Verhalten der Zuschauer sind viel besser als bei
jedem anderen Turnier. Denn jeder hat Angst, sein Ticket zu verlieren",
erklärte sein Landsmann Jim Furyk. Der US-Profi freut sich auf Woods,
erwartet aber für seine Kollegen und sich ein Geduldspiel mit den Medien,
das härter sein könnte, als ein komplizierter Putt. "Wir
müssen beharrlich sein. Es wird der Moment kommen, an dem jemand am letzten
Loch ein Bogey spielt oder einfach nur eine schlechte Runde und die erste
Frage an ihn wird zu Tiger Woods sein. Damit müssen wir mindestens einen
Monat lang leben. Dann wird das hoffentlich vorbei sein."
Auf den Anfang einer quotenträchtigen Zeit setzen indes die TV-Anstalten,
die bei Turnieren ohne Woods bis zu 50 Prozent weniger Einschaltquote haben. "Es
werden Leute einschalten, die keine Sportfans sind", meinte der
anerkannte amerikanische Golf-Journalist Ian O'Connor. Augusta garantiert
seit Jahren die höchsten Zuschauer-Zahlen. Mit Quoten-König Woods hofft CBS
nun sogar die bisherige Bestmarke von 14,1 Prozent Marktanteil aus dem Jahr
1997 zu übertreffen. Damals ging Woods mit 21 Jahren als jüngster Sieger
eines Majors in die Geschichte ein - sein Vorsprung von zwölf Schlägen auf
seinen zweitplatzierten Landsmann Tom Kite ist immer noch Rekord.
Zudem war er der erste Nicht-Weiße, der sich das grüne Jackett des Champions
anziehen durfte. "Das Masters war mein erstes gewonnenes Major-Turnier
und ich schaue auf dieses Turnier mit großem Respekt", sagte
Woods. Ein Neuanfang wird es auch für seine Hauptsponsoren. Nike und
Eletronic Arts (EA) sind ihm treugeblieben - für beide könnte sich die
Loyalität bald auszahlen. "Tigers Comeback wird ein stark
fotografierter und gefilmter Auftritt", prophezeite Rick Burton,
Marketing-Professor an der Universität Syracuse. Mit Accenture, Gatorade und
AT&T hat der erste Dollar-Milliardär der Sportgeschichte jedoch auch
drei wichtige Geldgeber verloren.