06. Juli 2010 08:09
Nach der demütigenden 0:4-Niederlage Argentiniens gegen Deutschland bei der
WM in Südafrika herrschte auch am Montag weiter Unklarheit über die Zukunft
von Teamchef Diego Maradona. Die Zeitung "Cronica" zitierte ihn mit den
Worten: "Meine Zeit ist abgelaufen. Ich habe alles gegeben, jetzt will ich
mich der Familie widmen". Eine wirklich bindende und formelle
Rücktrittserklärung wurde jedoch nicht bekannt.
Der allmächtige Präsident des nationalen Fußballverbandes (AFA), Julio
Grondona, sagte lediglich, ob Maradona weiter machen wolle, sei allein
dessen Sache. Die argentinischen Sportmedien rätselten ebenfalls weiter über
die Zukunft Maradonas.
Freund glaubt nicht an Rücktritt
Maradonas Assistent und
enger Freund Alejandro Mancuso glaubt indes nicht an einen Rückzug als
Teamchef. "Ich kenne Diego. Es ist schwer zu glauben, dass er zurücktritt,
nachdem er sein Ziel bei der Weltmeisterschaft nicht erreicht hat", meinte
der Co-Trainer der Fußball-Legende am Montag im argentinischen Radio. "Wir
sollten nicht all die guten Dinge vergessen, die er erreicht hat."
Lionel Messi und andere Spieler baten ihn noch vor der Heimreise, viele Fans
flehten beim Empfang in Argentinien: Diego, bleib! Über 20.000 Anhänger
feierten die Viertelfinal-Verlierer am Flughafen und auf den Straßen von
Buenos Aires. Coach Diego Maradona winkte den Fans aus der ersten Reihe im
Mannschaftsbus zu. Und geht es nach denen, war es kein Abschiedsgruß.
Keine Zunkunft ohne Maradona
"Diego 2014", war auf einem Banner
zu lesen - die nächste Fußball-WM findet in vier Jahren ausgerechnet im Land
des argentinischen Erzrivalen Brasilien statt, das seinen Trainer (Carlos
Dunga) nach dem eigenen WM-Aus in Südafrika verabschiedet hatte. Ob
AFA-Verbandschef Julio Grondona Maradona weiter im Amt lässt - wenn dieser
will - ist offen. Sollte er Maradona kündigen, würde nach unbestätigten
Informationen allerdings eine hohe Abfindung fällig.
Für viele Fans ist eine Zukunft ohne Maradona kein Thema. "Ole, ole, ole,
Diego, Diego", skandierten sie. "El Diego wird nicht gehen, und gemeinsam
nehmen wir Rache", hieß es auf einem anderen Plakat. Allerdings votierten in
einer Online-Umfrage der Sportzeitung "Olé" auch 59 Prozent der Befragten
gegen eine Fortsetzung der Ära Maradonas.