Schachner schlägt zurück

Austria Kärnten

Schachner schlägt zurück

Im großen ÖSTERREICH-Interview wehrt sich Walter Schachner gegen die Vorwürfe von Kärnten-Präsident Canori.

ÖSTERREICH: Austria-Kärnten-Präsident Mario Canori kritisiert, dass bei Ihnen das Herzblut gefehlt hat – stimmt das, Herr Schachner?
Walter Schachner: Wenn Canori so etwas behauptet, kennt er mich nicht. Leidenschaft und Fleiß sind immer Tugenden von mir gewesen. Und glauben Sie mir: Ich habe mich nicht verändert.

ÖSTERREICH: Der Klubchef will auch einen Bruch zwischen der Mannschaft und Ihnen entdeckt haben?
Schachner: Diese Information hat er wahrscheinlich von den frustrierten Spielern – von denen also, die nicht zum Zug kommen. Ich sage: Es gibt keinen Bruch.

ÖSTERREICH: Dann stellt sich die Frage, warum Sie in Kärnten gescheitert sind?
Schachner: Da könnte ich hundert Gründe nennen.

ÖSTERREICH: Schießen Sie los!
Schachner: Die Voraussetzungen sind nicht so optimal gewesen. Ein schönes Stadion genügt nicht, um die Bundesliga aufzumischen. Der Klub existiert erst seit ein paar Monaten, hat keine Tradition. Austria Kärnten hat bei null begonnen. Canori ist auch nicht unbedingt der große Fußballexperte – das weiß er selbst. Erfolg kommt selten auf Knopfdruck. Da wären alle Deppen, die sich jahrzehntelang für einen Verein abrackern.

ÖSTERREICH: Klingt fast, als hätten Sie ein Himmelfahrtskommando angetreten?
Schachner: Ja, es war Harakiri, doch ich liebe solche Aufgaben. Ich habe gewusst, dass es brutal werden kann. Man hätte einfach mehr Geduld haben müssen. Mit einer ordentlichen Vorbereitung aufs Frühjahr wären wir sicher durchgestartet. Ich hätte die Wende geschafft. Aber gut, Kärnten ist Letzter – ich übernehme die Verantwortung dafür, und ich suche keine Ausreden.

ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen mit dieser persönlichen Niederlage?
Schachner: Ich bin relativ gelassen. Das ist mir ja nicht zum ersten Mal passiert. In dieser Branche wirft mich nichts mehr so schnell aus der Bahn. Ich bin bei der Wiener Austria als Tabellenführer beurlaubt worden. Damals bin ich auf dem Weg in die Steiermark allein im Auto gesessen, habe mir den Kopf zerbrochen, habe mich gefragt, wie so was möglich ist. Das hat richtig weh getan, das war echt verletzend. Genauso wie die Beurlaubung beim GAK – als Dritter und Meistermacher. Das Scheitern in Kärnten tut mir wegen der Fans weh. Wir wollten hier eine Euphorie entfachen, das ist nicht gelungen. Mein Nachfolger wird es auch schwer haben.

ÖSTERREICH: Wie geht es nun weiter – brauchen Sie Abstand vom Fußball?
Schachner: Vielleicht würde mir ein bisschen Abstand gut tun. Ich möchte jetzt Energie auftanken. Möglich, dass ich einen Schritt zurück mache. Möglich auch, dass ich ein bisschen herumfahre und schaue, wie bei den großen Klubs gearbeitet wird. Ich weiß es noch nicht genau.

Interview: Christian Russegger/ÖSTERREICH

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