Schimpelsberger-Debüt für Twente

Karriere-Highlight

Schimpelsberger-Debüt für Twente

Diesen Samstag wird Michael Schimpelsberger nie vergessen.  Denn am Samstag feierte der 19-Jährige sein Profi-Debüt für Twente Enschede. Noch dazu im Schlager - auswärts gegen PSV Eindhoven. Der Meister gewann 1:0, Schimpelsberger wurde in der 64. Minute eingewechselt.

"Ich habe ab der Halbzeit aufgewärmt, dann ist alles ganz schnell gegangen", so der ÖFB-Youngster.

Vor dem Champions-League-Kracher gegen Werder ("Vielleicht geht in Bremen der nächste Traum in Erfüllung!") klärt Schimpelsberger im auf: Über seine Gefühlswelt vor, während und nach dem Spiel in Eindhoven, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter, sein Verhältnis zu Marc Janko und Marko Arnautovic und die SMS-Flut aus der Heimat.

Frage: Was geht einem durch den Kopf, wenn man sein Profi-Debüt im Spitzenspiel der holländischen Eerendivisie gibt, noch dazu im Trikot des amtierenden Meisters?
Michael Schimpelsberger: Ich habe mir immer gedacht, dass ich sicher nervös sein werde, wenn es einmal so weit ist. Aber als ich an der Seitenlinie gestanden bin, habe ich mich einfach nur gefreut. So richtig realisiert, was da passiert ist, habe ich es aber erst nach dem Schlusspfiff.

Frage: Du warst zuletzt regelmäßig als Ersatz dabei, aber wie ist es dazu gekommen?
Schimpelsberger: Auf der Position des Linksverteidigers waren drei Spieler verletzt. Deshalb hat mit Leugers ein 19-Jähriger von Beginn an gespielt. Ich habe mir schon gedacht: Der ist auch ein Junger, ob er die 90 Minuten schafft? Insgeheim habe ich natürlich mit einem Einsatz spekuliert.

Frage: Obwohl du ja eigentlich kein Linksverteidiger bist?
Schimpelsberger: Genau. Ich bin ein Rechtsfuß und spiele normalerweise in der Innenverteidigung. Aber es war dann so, dass Leugers Gelb gesehen hat und kurz davor war, sich die zweite abzuholen. Ich habe von der Halbzeit weg aufgewärmt, und dann ist alles ganz schnell gegangen.

Frage: 34.000 Fans im Stadion, es spielt der Erste gegen den Zweiten. Ist man da nervös?
Schimpelsberger: Überhaupt nicht, ich habe mich vielmehr darauf gefreut, dass ich reinkomme. Der Trainer hat mich her geholt, dann sind wir noch die Standards durchgegangen, wo ich stehen muss und so.

Frage: Was kriegt man in dem Moment mit, wie hast du diese 64. Minute erlebt?
Schimpelsberger: Es war einfach ein geiles Gefühl. Das PSV-Stadion ist eines der schönsten in ganz Holland, ausverkauftes Haus. Das war natürlich schon ein besonderes Erlebnis.

Frage: Chadli hat in der 60. Minute das 1:0 für Twente erzielt, es war also davon auszugehen, dass von PSV in der letzten halben Stunde noch einiges kommen wird?
Schimpelsberger: Der Trainer hat mir gesagt: Ich weiß, das ist nicht deine Position und auch nicht dein starker Fuß. Also nimm kein Risiko! Aber ich bin gleich super in die Partie reingekommen, habe Zweikämpfe gewonnen. PSV hat zwar gesehen, dass ich ein Debütant war, und alles über meine Seite gespielt, aber ich habe meine Aufgaben gut gelöst und nichts zugelassen.

Frage: Wie stark die PSV-Offensive ist, hat man vor zwei Wochen beim 10:0 gegen Feyenoord Rotterdam gesehen?
Schimpelsberger: Ich habe keinen Druck verspürt, mit Selbstvertrauen gespielt, war ziemlich locker. Das hat gut gepasst! Obwohl es auch um sehr viel gegangen ist, das war ein Top-Spiel. Erster gegen Zweiter, und jetzt sind wir wieder Erster.

Frage: Wie war das Feedback von Trainer Michel Preud‘homme?
Schimpelsberger: Positiv. Der Trainer hat gesehen, dass er auf die jungen Spieler vertrauen kann. Leugers und ich, wir haben keinen Fehler gemacht, das war ein wichtiger Schritt. Wichtig, dass wir gezeigt haben, dass wir es auch können!

Frage: Wie hart ist der Weg aus dem Nachwuchs zu den Profis?
Schimpelsberger: Ich war zuletzt immer dabei und habe mir diesen Einsatz auch verdient. Mit guten Leistungen im Training und in der Vergangenheit bei der zweiten Mannschaft. Vom Trainer ist es ein großer Vertrauensbeweis, wenn er mich sogar als Linksverteidiger und nicht auf meiner eigentlichen Position bringt. Jetzt wird man sehen, wie es weitergeht. Ich werde aber weiter dranbleiben und dann schauen wir mal, wie oft ich in dieser Saison noch zum Einsatz komme.

Frage: Wie stellt sich die Situation aktuell für dich dar: Bist du fix bei der ersten Mannschaft oder pendelst du?
Schimpelsberger: In letzter Zeit bin ich eigentlich fast ausschließlich bei den Profis. Also Training und auch die Spiele. Der Trainer hat gesagt, dass er mich für die erste Mannschaft braucht, deshalb bin ich kaum noch bei der zweiten.

Frage: Inwieweit ist die fehlende Spielpraxis ein Problem für dich?
Schimpelsberger: Ja, ich habe jetzt nicht so viel Spielpraxis, das ist nicht so leicht. Aber ich habe am Samstag 30 Minuten gespielt, halte mich im Training fit und mache auch noch extra Einheiten für mich. Das passt ganz gut!

Frage: Im Sommer hast du im Interview angekündigt, dass du bereit bist für den nächsten Schritt, damals stand aber auch ein Leihgeschäft im Raum.
Schimpelsberger: Der Verein hat sich dann doch dafür entschieden, dass er mich nicht verleihen möchte. Twente wollte mich nicht gehen lassen. Und es hat sich gut für mich entwickelt, läuft super.

Frage: Es scheint, als hätte Twente den Hype vom Titelgewinn mitnehmen können?
Schimpelsberger: Der Verein ist am wachsen, es wird immer mehr und mehr durch die guten Leistungen. Twente hat sich in Holland und auch in Europa einen Namen gemacht. Das hat sich am Samstag bestätigt, weil so oft gewinnt man nicht auswärts in Eindhoven.

Frage: Marc Janko hat gegen den PSV durchgespielt. Aus deiner Sicht: Wie tut er sich?
Schimpelsberger: Er hat es eh schon in Interviews gesagt: Immer wieder kleinere Verletzungen haben es ihm schwer gemacht, reinzukommen. Gegen Eindhoven hat er super gespielt, die Bälle gehalten – und ich bin überzeugt, dass er sich noch steigern kann.

Frage: Wie würdest du sein Standing in der Mannschaft beschreiben?
Schimpelsberger: Wir verstehen uns alle gut, die neuen Spieler wurden super in die Mannschaft integriert. Jeder hilft jedem, da gab und gibt es überhaupt keine Probleme.

Frage: Und für dich ist es auch kein Nachteil, einen Landsmann bei den Profis zu haben?
Schimpelsberger: Das ist schon super, wenn noch ein zweiter Österreicher beim Verein ist. Man kann ein bisschen reden, wir haben uns nach dem Spiel am Samstag auch länger unterhalten und Marc hat mir auch zu meiner Leistung gratuliert.

Frage: Am Dienstag bist du auch beim CL-Spiel gegen Werder dabei. Was kommt da auf euch zu?
Schimpelsberger: Ein schwieriges Auswärtsspiel. Bremen ist nach der Niederlage in Nürnberg sicher sauer, wird Vollgas geben. Aber wir haben im Hinspiel gezeigt, dass wir Werder auch schlagen können. Leider hat Marko vor zwei Wochen noch das 1:1 gemacht. Es wird also spannend.

Frage: Arnautovic wurde in Enschede bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Weißt du, was da los war?
Schimpelsberger: Ich habe mich selber auch ein bisschen gewundert, kenne die Hintergründe aber nicht. Es war jedoch eine feine Geste von Marko, dass er beim Tor nicht gejubelt hat.

Frage: Du hast ja mit Arnautovic bei Twente selbst noch zusammen gespielt?
Schimpelsberger: Ab und zu in der zweiten Mannschaft und bei den Profis einmal in einem Freundschaftsspiel. Wir haben uns beim CL-Hinspiel auch getroffen, vor dem Match auf dem Feld kurz geredet, wir haben schon einen guten Kontakt.

Frage: Und wie sieht es mit dem Kontakt in die Heimat aus, immerhin bist du jetzt schon eine Zeit lang weg aus Österreich?
Schimpelsberger: Nach dem Eindhoven-Spiel sind die SMS im Sekundentakt gekommen. Familie, Freunde, alle haben mir gratuliert. Die Glückwünsche waren schon schön, ich habe mehr als 100 SMS bekommen!

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