Uli Hoeneß: Seine Zeit im Gefängnis

"So war es wirklich"

Uli Hoeneß: Seine Zeit im Gefängnis

München. Am Freitag endet eine Ära, Uli Hoeneß wird als Präsident und Aufsichtsrat des FC Bayern München abtreten. Doch bevor er geht, spricht Hoeneß über seine Gefängnis-Zeit nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung.

Der schwarze Fleck auf seinem weißen Hemd war seine Zeit im Knast. Anscheinend will Hoeneß damit abschließen und seine ganze Geschichte der breiten Öffentlichkeit erzählen. Im Vereins-Magazin zeigt sich der noch amtierende Präsident sehr nachdenklich und gesteht: „Mein allergrößter Fehler war meine Steuersache. Das bereue ich zutiefst, und Kritik daran ist höchst berechtigt.“ Neue Töne, die man von einem Uli Hoeneß nicht erwartet hat. Stets betonte er, dass es einen Freispruch hätte geben müssen, vor allem und aufgrund einer Selbstanzeige. Das Gericht stufte jedoch diesen Vorgang als ungültig.

Die Steuerhinterziehung

Innerhalb von zehn Jahren wurden einige Tausend Transaktionen an der Börse, in den allermeisten Fällen Devisentermingeschäfte, mit anderen Worten Wetten, auf die Entwicklung von Währungen getätigt. Am Anfang noch 20 Millionen Startkapital, wurden zwischen 2001 und 2005 daraus etwa 150 Millionen Euro, die er in fünf Jahren wieder verzockte. Hoeneß: „Das war der Kick, pures Adrenalin.“

Die Folgen waren sehr weitreichend: Am 20. März 2013 fanden am Tegernsee und an der Säbener Straße Hausdurchsuchungen statt.

Wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen in einer Höhe von insgesamt 28,5 Millionen Euro wurde Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Gefängniszeit

Hoeneß wurde zunächst vom 2. Juni 2014 bis 2. Januar 2015 in Landsberg eingesperrt. Er stand um etwa 5 Uhr auf, da sich schon um 6 Uhr die Zellentüren öffneten. Neben Sport, vor allem Ergometer- und Hanteltraining las er sehr viel. Zu seinem täglichen Ritual gehörte der "Kicker", die "Süddeutsche Zeitung" manchmal die "Bild" und die "Lebensmittelzeitung". Gelesen wurde auch u. a. die Biografie von Steve Jobs. Ab 7 Uhr ging es mit der Arbeit los. Hoeneß arbeitete in der Kleiderkammer und war für die Kleidung der Häftlinge zuständig.

Angst hatte man vor allem vor Fotos, die Uli Hoeneß in einer nicht allzu guten Position zeigten. Dementsprechend wurde im Gefängnis kontrolliert und Razzien fanden unter den Mithäftlingen statt.

Hoeneß: „Es war hart zu erfahren, dass mir Leute, mit denen ich Karten spielte, so in den Rücken fielen, um Geld zu machen.“ Veröffentlicht wurde nirgendwo ein Foto, das Hoeneß als Häftling zeigt.

Fußball konnte er auch schauen, und zwar auf einem kleinen 20-cm-Fernsehgerät. Sollten die Öffentlich-Rechtlichen die Bayern nicht zeigen, blieb ihm nur der Teletext.

Alle zwei Wochen durfte er für zwei Stunden drei Menschen empfangen. Neben der Familie durfte er auch noch Gäste wie Guardiola, Ribery, Sammer oder Rummenigge und Netzer empfangen. Telefonate waren klar untersagt. Selbst der Antrag seine Frau an ihrem Geburtstag anzurufen,  wurde ihm nicht gewährt. Als sein geliebter Hund "Kuno" mit 14 starb, konnte sich Hoeneß von ihm nicht verabschieden.

Hoeneß besuchte die Gefängnis-Kappelle und nahm an jedem Abendmahl teil. Vor allem, ja vor allem achtete er die Gefängnisregeln. Was er hinter Gittern besonders zu schätzen lernte? Hoeneß: „Eine Butterbrezn kann schon etwas ganz Besonderes sein...“

Verlegung nach Rothenfeld

In den offenen Vollzug nach Rothenfeld wurde Uli Hoeneß am 2. Januar 2015 verlegt. Am Tag durfte er für achteinhalb Stunden bei seinem geleibten FC Bayern arbeiten und musste spätestens um halb 6 zurück. Er durfte aus reiner Sicherheit sein Auto am Parkplatz der Gefängnis-Mitarbeiter parken. Seine Zelle in Rothenfeld war leicht wiederzuerkennen. Es war die einzige Zelle ohne ein Namensschild am Zelleneingang.

Wegen guter Führung wurde er am 29. Februar 2016 entlassen. Seine Steuerschuld, inklusive Zinsen, Soli und Kirchensteuer hat er schon seit Langem beglichen. 47 Millionen Euro. Der Rest der Gefängnisstrafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

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