Video zum Thema Rapid-Eklat: Kickl steht Parlament Rede & Antwort
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Umstrittener Einsatz

Rapid-Eklat: Kickl schießt gegen Fans & Verein

Ein umstrittener Polizeieinsatz zwang 1.300 Rapid-Fans – darunter Schwangere und Kinder – am vergangenen Sonntag dazu, bis zu sieben Stunden bei minus 2 Grad am Rand der Südosttangente auszuharren. Die Beamten hatten sie alle eingekesselt, nachdem einzelne Fans angeblich Gegenstände auf die Fahrbahn warfen. Für Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) hat der Vorfall beim Wiener Derby nun ein Nachspiel. 

Am Donnerstag wurde er ins Parlament zitiert: Im Bundesrat musste er sich 45 Fragen der SPÖ-Abgeordneten zu dem Rapid-Eklat stellen. So wollte Fraktionsführer Reinhard Todt vom Innenminister etwa wissen, wie es bei dem mehrstündigen Einsatz um sanitäre Anlagen und Versorgung mit Flüssigkeit bestellt war. Kickl verteidigte die Vorgehensweise der Polizei als ausgewogen und notwendig. Der Einsatz sei zum Erhalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der Abwehr von gefährlichen Angriffen auf Leib und Leben sowie der Aufklärung von Straftaten durchgeführt worden. Den SK Rapid und dessen organisierte Fanszene attackierte Kickl indes scharf.
 
 
Er habe ein "vollständiges Bild" des vergangenen Sonntags mitgebracht, an dem es im Zuge des Wiener Derbys Austria gegen Rapid zu einem massiven Polizei-Einsatz gekommen war. Bei einem laut Kickl "nicht angemeldeten" Fanmarsch hatten Rapid-Anhänger Gegenstände auf die Wiener Südosttangente (A23) geworfen. Danach wurden 1.338 Menschen fast sieben Stunden lang zur Identitätsfeststellung angehalten - ein Vorgehen, dass der Polizei scharfe Kritik einbrachte.
 

"Schäbig von Ultras"

 

Die Vorschriften bezüglich solcher Anhaltungen seien "auf Punkt und Beistrich" eingehalten worden, erklärte Kickl am Donnerstag im Bundesrat. Die SPÖ hatte eine dringliche Anfrage zur Causa eingebracht. Vorwürfe einer "menschenunwürdigen Behandlungen", wie sie neben der "Rechtshilfe Rapid" etwa auch Rapid-Präsident Michael Krammer erhoben hatte, wies Kickl zurück. Es habe Tee, Wasser und Lunchpakete gegeben, auch fünf Sanitäter wären am Einsatzort gewesen. Vorwürfen einer geplanten Polizei-Aktion, wie sie etwa auch Kammer erhoben hatte, widersprach Kickl ebenso. Eine Weisung habe es nicht gegeben.
 
Der Einsatz hatte um 21.55 Uhr mit einer Festnahme und einer Anzeige geendet. Kickl selbst identifizierte in seiner Rede als Auslöser für den Einsatz am Donnerstag eine "immer wieder verhaltensauffällige Gruppe", namentlich die Rapid Ultras. Diese würden den Begriff des Fans missbrauchen, "um unter diesem Deckmantel Randaliererei und Chaotentum zu betreiben." Sich nun als "Opfer und arme Hascherl" hinzustellen, bezeichnete der Minister unter anderem als "schäbig".
 

Kickl widerspricht Rapid-Rechtshilfe-Version

 

"Die Leute waren nicht eingepfercht, es war genügend Platz, um sich frei zu bewegen", entgegnet er den Behauptungen, dass die Fans zusammengepfercht gewesen seien. Die Folter-Vorwürfe seien komplett absurd. "Wenn niemand bei der Identitätsfeststellung mitmacht, dann braucht man sich nicht wundern, dass der Einsatz so lange dauert", sagt der FPÖ-Mann. "Wenn jemandem kalt gewesen wäre, hätte er nur den Ausweis herzeigen müssen und hätte auf die Toilette gehen können". Rapid müsse einer aufgekommenen "Unkultur" einen Riegel vorschieben. "Und nicht herzugehen und gemeingefährliche Aktionen dann einfach hinzunehmen, in der Öffentlichkeit zu verharmlosen, zu rechtfertigen oder vielleicht sogar noch Leute zu Klagen gegen die Polizisten anzustiften." Andere Clubs hätten das bereits zustande gebracht. "Und wenn man das nicht zustande bringt, dann ist das eher ein Zeichen des Nichtwollens, als des Nichtkönnens."
 

Opposition tobt: "Einsatz war unverhältnismäßig"

 

Bei der Kontrolle seien Knallkörper, Sturmmasken und Boxerausrüstung sichergestellt worden, so Kickl und fragte: "Was hat das mit Fußball zu tun?". Insgesamt waren im Zuge der sportlichen Großveranstaltung 637 Exekutivbedienstete im Einsatz, wie aus der Anfragebeantwortung hervorging. Jenen dankte Kickl für einen "professionellen, umsichtigen und selbstverständlich auch ausgewogenen Einsatz".
 
Vertreter der Oppositionen kritisierten den Polizeieinsatz hingegen mit drastischen Worten. So sprach etwa Martin Weber (SPÖ) von einem Skandal. "Sie haben fast 1.400 Menschen in Geiselhaft genommen. Schämen Sie sich, Herr Minister!" Das polizeiliche Vorgehen hätte eine ähnliche Tragödie, wie jene der Loveparade in Duisburg 2010 zur Folge haben können. Damals waren im Zuge einer Massenpanik 19 Menschen gestorben.
 
"Diese Einkesselung war völlig unverhältnismäßig und verfassungswidrig", zeigt sich auch Peter Pilz in ÖSTERREICH empört. Nicht nur das: Das Rapid-Kuratoriumsmitglied befürchtet, dass sie "von langer Hand geplant war". Diese Vermutung stellt auch SPÖ-Nationalrat Robert Laimer an: "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass hier mit Fußball-Fans experimentiert wird, wie weit man gehen kann – vielleicht für Demos? Das war eine Machtdemonstration." Laimer war am Sonntag selbst unter den eingekesselten Fans und spricht in ÖSTERREICH von einer "gefährlichen Situation".
 
Doch nicht nur die Opposition schießt jetzt gegen die Polizei – auch die Rapid-Fans toben: 300 Betroffene wollen eine Maßnahmenbeschwerde einbringen.
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