Mega-Serie: ÖFB-Team besiegt WM-Gastgeber

Freundschaftsspiel

Mega-Serie: ÖFB-Team besiegt WM-Gastgeber

Österreichs Fußball-Nationalteam hat seinen Siegeslauf unter Teamchef Franco Foda fortgesetzt. Die ÖFB-Auswahl gewann am Mittwochabend auch das vierte Spiel unter dem Ex-Sturm-Graz-Coach, setzte sich im Tivoli Stadion Tirol gegen WM-Gastgeber Russland nach guter Leistung verdient 1:0 (1:0) durch. Zum Matchwinner avancierte Schalkes Alessandro Schöpf (28.) mit seinem dritten Tor im Teamdress.

Der 24-Jährige sorgte dafür, dass sich Foda nun über die zweitlängste Siegesserie zum Amtsantritt eines ÖFB-Teamchefs freuen darf. Die bisherige Bestmarke halten Georg Schmidt und Felix Latzke, die 1982 ihre ersten fünf Partien gewonnen hatten. Um diese Marke zu egalisieren, müsste am Samstag (18.00 Uhr) in Klagenfurt ein Sieg gegen Weltmeister Deutschland her. Danach steht zum Abschluss der "Test-Mini-WM" auch noch das hochkarätige Duell mit Brasilien am 10. Juni im Wiener Ernst-Happel-Stadion auf dem Programm.

Da haben die Österreicher weitere Serien zu verteidigen. Zuletzt konnten sechs Länderspiele in Folge gewonnen werden (unter Foda 2:1 gegen Uruguay, 3:0 gegen Slowenien und 4:0 in Luxemburg), zudem gab es siebenmal keine Niederlage mehr. Die Foda-Schützlinge scheinen also auch für die absoluten Topgegner gerüstet. Das hat die Partie am Mittwoch gezeigt, auch wenn das von Ex-Tirol-Goalie Stanislaw Tschertschessow gecoachte Russland dafür wohl kein echter Gradmesser war.

Foda überrascht mit erster Elf

Teamchef Franco Foda sorgte in seinem vierten Länderspiel für personelle Überraschungen. Sturm-Graz-Mittelfeldakteur Peter Zulj, der Spieler des Jahres in der heimischen Bundesliga, gab sein Startelfdebüt. Mit Salzburgs Stefan Lainer und dem von Rapid zum 1. FC Köln wechselnden Louis Schaub begannen zwei weitere Spieler, die vergangene Saison in Österreich gespielt haben. Aleksandar Dragovic, Sebastian Prödl und Martin Hinteregger bildeten die Abwehr. Dabei durfte sich Schöpf auf der linken Seite und zugleich ungewohnter Position versuchen. Der angeschlagene Topstar David Alaba saß zu Beginn nur auf der Bank.

Die mitten in der WM-Vorbereitung steckenden Russen blieben spielerisch vor der Pause fast alles schuldig. Die Dreierkette der ÖFB-Elf, die in der Defensive zur Fünferkette wurde, hatte leichtes Spiel, die Null zu halten. Goalie Heinz Lindner wurde da kein einziges Mal geprüft, ein Smolow-Schuss über das Tor (36.) war die einzige nennenswerte Möglichkeit der Gäste. Österreich tat sich im Spiel nach vorne zu Beginn auch schwer und kam vorerst nur bei einem Fernschuss von Zulj (12.) gefährlich vors Tor. Mit Fortdauer der ersten Hälfte konnten sich die Hausherren aber in der Offensive steigern.

zulj.jpg © GEPA
Das einzige Tor war schön herausgespielt

Beim Führungstreffer funktionierte das Umschaltspiel sehr gut. Nach gutem Laufpass von Florian Kainz gab Arnautovic überlegt zur Mitte und der ziemlich unbedrängte Schöpf sorgte in einer Co-Produktion mit Zulj aus 13 Metern für die Führung. Tormann Igor Akinfejew war machtlos. Schöpf hätte sich für eine starke Leistung auch mit einem Doppelpack belohnen können, sein Schuss ging aber hauchdünn am Tor vorbei (37.).

"Arnie" wieder auffälligster Spieler

Im Finish der ersten Hälfte konnte der durchbrechende Arnautovic von Wladimir Granat nur mit unfairen Mitteln gestoppt werden, beim verhängten Freistoß des West-Ham-Angreifers war Akinfejew auf dem Posten (43.). Das alles geschah vor den Augen von Jose Mourinho. Der Manchester-United-Trainer dürfte wegen Arnautovic die Reise nach Innsbruck angetreten haben.

Zur Pause blieben Louis Schaub und Kapitän Julian Baumgartlinger in der Kabine, Foda brachte Florian Grillitsch und Guido Burgstaller und stellte auf eine Formation mit zwei Stürmern um, wobei sich Arnautovic in seinem 70. Länderspiel auch immer wieder einmal etwas zurückfallen ließ. Bis zur 58. Minute war auf beiden Seiten wenig zu sehen, dann ging es aber innerhalb kürzester Zeit rund. Und das unmittelbar nach der Einwechslung von Alaba für Schöpf.

Akinfejew zeigte vor 14.500 Zuschauern bei einem Schuss von Zulj, der vollauf überzeugen konnte, eine Glanzparade (58.). Auf der anderen Seite verfehlte Fjodor Smolow, nachdem Prödl am Ball vorbeigerutscht war, das Gehäuse nur knapp (59.). Sonst waren aber die Heimischen dem 2:0 näher, auch wenn sich Russland nach dem Seitenwechsel von einer etwas besseren Seite präsentierte. Akinfejew hielt einen Alaba-Flachschuss (69.). Österreich ist damit auch nach dem zwölften Auftritt im Tivoli-Stadion ungeschlagen, fixierte dort Sieg Nummer acht.

Die "Sbornaja" wurde zum dritten Mal nacheinander bezwungen, nachdem es in der Qualifikation für die EM 2016 zwei 1:0-Siege gegeben hatte. Die Russen trainieren noch bis Donnerstag im Stubaital, wo sie zwecks WM-Vorbereitung seit 20. Mai residieren.

Stimmen zum Spiel

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Es war wichtig, wie die Mannschaft aufgetreten ist, wenn man bedenkt, dass wir nur drei, vier Tage Vorbereitung hatten. Einige waren müde, sind aber trotzdem über die Schmerzgrenze gegangen. Was sie vor allem von der Willensstärke gezeigt haben, das war stark und auch der Grund für den Sieg. In der zweiten Hälfte hatten wir riesige Umschaltmomente, haben schnell nach vorne gespielt. In der ersten Hälfte waren wir im Spiel gegen den Ball nicht so griffig. Man sieht, dass die Mannschaft sehr variabel ist, sie hat unter Druck gut herausgespielt. Basti (Sebastian Prödl, Anm.) hat die Situation etwas unterschätzt, das war aber über 90 Minuten die einzige Chance von Russland, während wir noch vier, fünf Möglichkeiten hatten. Peter (Zulj, Anm.) hat eine überragende Saison gespielt. Seine Leistung bestätigt mich in der These, dass Spieler, die in Österreich gut spielen können, auch im Nationalteam gut spielen können. Auch Louis (Schaub, Anm.) war vor der Pause gut in der Bewegung, alles in allem bin ich sehr zufrieden mit den Jungs. Jetzt ist es einmal wichtig zu regenerieren, dass die Jungs wieder auf normale Temperatur kommen. Wir werden auch gegen Deutschland versuchen, kompakt zu stehen und auch selbst aktiv nach vorne zu spielen."

Über Marko Arnautovic: "Marko hat einen unglaublichen Zug zum Tor, einen Antritt und wie er Bälle hält. Ich glaube, er kann auch bei Manchester United spielen."

Alessandro Schöpf (ÖFB-Torschütze): "Vor heimischer Kulisse in Tirol spielen zu dürfen, ist immer etwas Schönes. Ich glaube, dass wir defensiv wenig zugelassen haben und nach vorne immer zielstrebig waren. Alles ins allem war es ein verdienter Sieg für uns."

Marko Arnautovic (ÖFB-Stürmer): "Jose Mourinho ist mein Extrainer. Es ist natürlich schön, dass er herkommt zuschauen. Ob er wegen mir gekommen ist, weiß ich nicht. Ich habe es auch erst jetzt erfahren, aber auch wenn ich es wüsste, konzentriere ich mich auf mein Spiel. Heute habe ich der Mannschaft wieder geholfen, einen Sieg einzufahren. So kann es weitergehen. Kompliment an die Mannschaft, es war nicht einfach, sehr schwül, wir haben es aber tadellos hingebracht. Der Sieg ist das Wichtigste. Das ist das, was wir derzeit brauchen."

Peter Zulj (ÖFB-Startelf-Debütant): "Es macht mich stolz, wenn ich viel Lob von außerhalb bekomme, das bestätigt meine Leistung. Es hat mich gefreut, von Anfang an spielen zu dürfen, es hat Spaß gemacht. Es war eine richtig gute Partie von uns. Mein Ziel ist es, da auch Stammspieler zu sein, wie im Verein, deshalb gebe ich auch Gas. Ich war ein bisschen nervös vor dem Spiel. Es ist doch etwas anders als in Österreich in der Bundesliga zu spielen, aber ich habe es allgemein ganz gut gemacht. Für mich heißt es jetzt weiterarbeiten, weil ich weiter Spielpraxis sammeln will."

David Alaba (ÖFB-Spieler): "Ich habe ein Problem im Oberschenkel auf der Rückseite hinten, das strahlt vom Rücken aus, aber es ist okay. Wir haben versucht Fußball zu spielen, hinten heraus und mutig nach vorne, haben uns gute Chancen herausgearbeitet. Natürlich müssen wir gegen Deutschland noch ein Level höher gehen, um da mitzuhalten. Aber es war ein Schritt nach vorne."

Stanislaw Tschertschessow (Russland-Teamchef): "Wir müssen in den nächsten Gang schalten. Wir dürfen nicht so viele eigene Fehler machen und müssen den Gegner mehr zu Fehlern zwingen. Der letzte Pass muss besser werden, wir waren zwar oft beim Strafraum, haben uns aber nur ein, zwei Torchancen herausgespielt. Da muss eindeutig mehr kommen. Man muss aber auch sagen, dass wir heute nicht frisch genug waren. Dennoch haben wir alles gegeben auf dem Platz. Es ist uns einfach nicht gelungen, Österreich war etwas frischer als wir."

Statistik zum Spiel

Freundschaftliches Fußball-Länderspiel am Mittwoch in Innsbruck: Österreich - Russland Endstand 1:0 (1:0). Tivoli Stadion Tirol, 14.500 Zuschauer, SR Nijhuis (NED).

Tor: 1:0 (28.) Schöpf

Österreich: Lindner - Dragovic, Prödl, Hinteregger - Lainer, Baumgartlinger (46. Grillitsch), P. Zulj (78. Ilsanker), Schöpf (57. Alaba) - Kainz (70. X. Schlager), Schaub (46. Burgstaller) - Arnautovic (81. Alar)

Russland: Akinfejew - Fernandes (67. Smolnikow), Ignaschewitsch, Granat, Kudrjaschow - Samedow (63. An. Mirantschuk), Kusjajew (56. Dsagojew), Sobnin, Golowin (75. Al. Mirantschuk), Schirkow (64. Tscheryschew) - Smolow (70. Dsjuba)

Gelbe Karten: keine bzw. Smolow, Granat

Die Besten: Schöpf, P. Zulj bzw. Sobnin

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