Sebastian Vettel verlässt Red Bull

Knalleffekt in der Formel 1

Sebastian Vettel verlässt Red Bull

Noch fünf Rennen, dann ist Schluss: Vettel geht zu Ferrari.

Die Formel 1 steht vor dem spektakulärsten Fahrerwechsel seit knapp 20 Jahren: Sebastian Vettel wird nur noch fünf Rennen für Red Bull fahren und das Team dann nach sechs gemeinsamen Jahren verlassen. Auch wenn es dafür keine offizielle Bestätigung der unmittelbar Beteiligten am Samstag in der Früh in Suzuka gab: Der Deutsche dürfte ab 2015 bei Ferrari eine neue Ära einleiten.

In Japan sagte er, "er sei bei seiner Entscheidung einer inneren Stimme gefolgt." Und weiter: "Es fühlt sich an, wie von zu Hause auszuziehen".

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Rivale Alonso

Vettels vielmaliger Erzrivale Fernando Alonso macht den Platz vermutlich frei. Er dürfte von Ferrari zu McLaren wechseln. Red Bull bestätigte das Ende der höchst erfolgreichen Zusammenarbeit mit Vettel vor dem Samstagstraining. "Wir möchten uns bei Sebastian für seine unglaubliche Rolle, die er bei Infiniti Red Bull Racing in den vergangenen sechs Jahren gespielt hat, bedanken", hieß es.

Diashow: Vettel: Die besten Fotos des F1-Stars

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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
Die Titel bisher... Jüngster Weltmeister in der Formel 1....
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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
...Vierfacher Titelträger, und das in Serie...
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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
.... 39-maliger Grand-Prix-Gewinner....
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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
... 45-facher Polesetter ....
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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
.... Die Liste der Vettel-Bestmarken ist bereits lang....
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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
... Und das mit gerade einmal 27 Jahren....
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 Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.
Vettel kam, sah und war erfolgreich. Jetzt Wechsel zu Ferrari.


Vertrag

Eigentlich hatte Vettel noch einen Vertrag bis Ende nächsten Jahres. In den vergangenen Wochen verwies er zwar immer wieder bei aufkommenden Weggang-Gerüchten auf den Kontrakt. So richtig überzeugend waren manche Aussagen aber nicht. Auch in Suzuka hatte er am Donnerstag bei der offiziellen Pressekonferenz auf die direkte Frage nach einer Zukunft bei Ferrari noch ausweichend geantwortet.

Teamchef Christian Horner erklärte, Vettel habe ihn am Freitagabend informiert. Dem Vernehmen nach soll Vettel zuvor bereits diverse PR-Aktivitäten im Winter für Red Bull abgesegnet haben. Wann genau also die Entscheidung für den Wechsel fiel, ist noch nicht bekannt. Vettel konnte sich zunächst nicht äußern: Er saß in seinem Red Bull und bereitete sich auf die Qualifikation am Samstagnachmittag vor.

Kwjat kommt
Vettels freien Platz bei Red Bull wird im kommenden Jahr Daniil Kwjat von B-Team Toro Rosso einnehmen. Der Russe wird dann neben dem Australier Daniel Ricciardo für den Rennstall von Dietrich Mateschitz an den Start gehen.

Vettel war zur Saison 2009 ebenfalls von Toro Rosso zu Red Bull aufgestiegen. Er holte mit dem Team 38 seiner 39 Grand-Prix-Siege. In diesem Jahr gelang ihm aber noch kein Erfolg. Teambesitzer Mateschitz hat seit jeher klargemacht, dem Heppenheimer keine Steine in den Weg zu legen, sollte Red Bull ihm mal kein siegfähiges Auto zur Verfügung stellen. Und Vettel hat nie einen Hehl aus der Strahlkraft der Scuderia gemacht.

Aufregung im Formel-1-Zirkus
Die Meldung vom Vettel-Ende bei Red Bull zu nächtlicher mitteleuropäischer Zeit ließ sämtliches Geschehen auf der Strecke erstmal in den Hintergrund rücken. "Wow, was für verrückte Nachrichten da draußen", twitterte Ex-Fahrerkollege Timo Glock. "Ist das wahr oder träume ich nur so früh am morgen..." Und auch im Fahrerlager gab es nur ein Thema: Vettel, Vettel, Vettel. Letztmals hatte ein Fahrerwechsel 1996 so viel Aufregung ausgelöst. Damals wechselte Schumacher von Benetton zu Ferrari.

Klar ist, dass die Scuderia dringend wieder Erfolge braucht und der 27 Jahre alte Heppenheimer dem Team noch einmal neuen Schwung geben könnte. Der letzte Ferrari-Titel liegt nun sieben Jahre zurück. 2007 gewann ihn Kimi Räikkönen. Mit dem Finnen, seit diesem Jahr wieder bei Ferrari, versteht sich Vettel bestens. Umgekehrt gilt das genauso.

Vettels Statement im Original:

"Nach 15 erfolgreichen und schönen Jahren mit Red Bull habe ich mich dazu entschlossen Ende des Jahres das Team zu verlassen.

Es ist ein großer Schritt und natürlich fällt es einem nicht leicht eine solche Entscheidung zu treffen. Die Chance Formel 1 zu fahren, der erste Sieg mit Toro Rosso, die 4 WM Titel mit Red Bull Racing und vieles mehr haben Red Bull und mich zu einer Art Familie zusammen geschweißt. Uns verbinden all die wunderbaren Erinnerungen an unsere gemeinsamen Zeiten, die uns keiner nehmen kann.

Ich möchte nochmals großen Dank an Dietrich Mateschitz, Dr. Helmut Marko, Christian Horner, die gesamte Red Bull-Familie Red Bull Racing, Red Bull und Toro Rosso aussprechen. Ich bedanke mich bei allen für das Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben und für ihre tolle Unterstützung über die letzten Jahre.

Über meine Zukunftspläne werde ich in Kürze etwas bekannt geben."

 

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Sebastian Vettel erklärt, warum er Red Bull verlässt. Er hört auf seine innere Stimme. Der Zeitpunkt für etwas Neues ist nach dieser Saison gekommen.

 Fragen an den vierfachen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel aus der Medienrunde am Samstag in Suzuka nach der Bekanntgabe seines Weggangs von Red Bull zum Saisonende.

 Frage: Können Sie uns einen Einblick in die vergangenen Stunden geben und wie die Entscheidung zustande gekommen ist?
Vettel: "So eine Entscheidung trifft man ja nicht über Nacht. Wie Sie sich vorstellen können, ist es immer ein großer Schritt, wenn so eine Beziehung zu einem Ende kommt. Aber es bleibt nichts Negatives. Ich gehe hier nicht weg, weil ich es nicht mehr mag oder weil ich die Leute nicht mehr leiden kann. Das ist es ganz und gar nicht, und das hat die Entscheidung nach so einer langen und erfolgreichen Zeit auch so schwer für mich gemacht. Es ist eine Entscheidung, die mit der Zeit gewachsen ist. Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen Jahren, dass ich die Möglichkeit habe, etwas anders zu machen. Es fühlt sich aber jetzt so an, als sei es der richtige Zeitpunkt."

Frage: Mit wem haben Sie in den vergangenen Stunden gesprochen und wie liefen diese Gespräche ab?
Vettel: "Ich habe natürlich mit den Teamverantwortlichen gesprochen. Auch mit Dietrich (Mateschitz/Red-Bull-Teambesitzer, Anm.). Es war nicht einfach. Es ist keine einfache Entscheidung gewesen, und es ist auch nicht einfach, mit den Konsequenzen klarzukommen. Daher wäre es um einiges einfacher gewesen, zu bleiben und nichts zu machen."

Frage: Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?
Vettel: "Da kommen einige Dinge zusammen. Man könnte es natürlich so sehen: Ach, er ist nicht erfolgreich. Das ist aber nicht der Fall. Deswegen macht es das ja so schwer für mich. Nach 15 Jahren hier, zusammen mit Red Bull. Es fühlt sich an, als ziehe man zu Hause aus. Es gibt aber den Wunsch und den Hunger, etwas Neues zu machen."

Frage: Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat gesagt, Sie würden zu Ferrari gehen. Das Team habe Ihnen ein sehr gutes Angebot gemacht.
Vettel: "Wie ich schon gesagt habe, ist es nicht das erste Mal, dass ich Angebote von anderen bekomme. Leider muss ich Ihnen aber dieselbe Antwort wieder und wieder geben: Ich kann nichts offiziell bekanntgeben. In Kürze werde ich das aber können."

Frage: Sie haben keinen Manager. Wer hat Ihnen geholfen?
Vettel: "Ich bin ja nicht komplett allein. Ich habe einen Freund, der mich praktisch auch ein bisschen berät. Ich habe einen Anwalt. Ich denke aber auch, dass ich alt genug bin. Ich habe einen Mund und einen Kopf."

Frage: Wäre Ihre Entscheidung auch so ausgefallen, würden Sie noch mit Mercedes um die WM kämpfen?
Vettel: "Schwer zu sagen, was wäre wenn. Es war eine innere Stimme, die lauter geworden ist. Es ist ein Schritt, auf den ich mich sehr freue."

 Frage: Hat Teamchef Horner versucht, Sie umzustimmen?
Vettel: "Nach so einer langen Zeit kennt man sich. Nicht nur Christian, wir haben alle großen Respekt voreinander. Von Gesicht zu Gesicht war es nicht einfach. Es brauchte aber nicht viele Worte."


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