So gedenkt Mercedes Niki Lauda

Formel-1-Legende verstarb vor einem Jahr

So gedenkt Mercedes Niki Lauda

Mercedes würdigt seinen vor genau einem Jahr verstorbenen Team-Aufsichtsrat.

Als einer der Ersten hatte es Toto Wolff am späten Abend des 20. Mai 2019 per Telefon erfahren. Niki Lauda, der langjährige Mercedes-Boss, der die Silberpfeile zu fünf WM-Titeln in Folge geführt hat (den 6. durfte er nicht mehr erleben), hat seinen letzten Kampf in der Universitätsklinik Zürich verloren.

Wolff ("Unser Mercedes-Team hat ihn ihm seinen Leitstern verloren") nahm mit bewegenden Worten Abschied von seinem Freund und Wegbegleiter: "Niki, Du bist einfach unersetzbar, es wird niemals wieder jemanden wie Dich geben. Es war uns eine Ehre, Dich unseren Chairman zu nennen - und mein Privileg, Dich als Freund zu haben." Und stellvertretend für das Mercedes-Team erklärte Wolff: "Wir werden ihn als Stimme der Vernunft sehr vermissen."

Lewis Hamilton widmete seinen 6. und bislang letzten WM-Titel dem Mentor. Ein roter Stern auf der Mercedes-Motorabdeckung und Laudas Unterschrift erinnern an die Legende. Und in der Box hängen auch heute noch Laudas Kopfhörer und die rote Kappe.

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Mercedes gedenkt mit emotionalem Video

An eine große Gedenkveranstaltung im Mercedes-Werk ist in Corona-Zeiten nicht zu denken. Das Silberpfeil-Team beschränkt sich auf Aktivitäten in sozialen Kanälen. So wird heute ein emotionales Video veröffentlicht. Darin erinnern sich Weggefährten wie Wolff, Hamilton oder auch Valtteri Bottas an die verstorbene Legende.

Toto Wolff:

Was habe ich von Niki gelernt? So viel. Gib nie auf. Schau, dass die Dinge getan werden. Niki hat sich nie beschwert. Egal, wie schmerzvoll oder schwierig die Hindernisse waren: Er hat alles wunden, und dafür bewundere ich ihn. Über die Jahre hat sich unsere Beziehung entwickelt und wir haben beiden viel von einander gelernt, weil wir so verschieden waren. Er war mir ein wichtiger Sparringspartner und noch wichtiger war, dass ich einen Freund in dieser Umgebung hatte. Das ist etwas, das ich unglaublich vermisse.

Sein vielleicht beeindruckendster Charakterzug war, dass er sich nie beklagt hat. Niki musste so viel überstehen, und trotzdem hast du nie ein Wort der Klage gehört. Dafür bewundere ich ihn.

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Niki hat mich inspiriert – als Persönlichkeit, mit seiner einzigartigen Art, an die Dinge heranzugehen und der Art, wie er sich immer wieder neu erfunden hat. Er wurde ein Rennfahrer, startete eine Airline, kam zum Rennfahren zurück und dann wieder zu seiner Airline. Und dann stieg er ins Mercedes-GP-Board auf – eine faszinierende Karriere.

Ich glaube, wir haben viel gemeinsam. Ich schaue nie zurück und mich interessieren frühere Erfolge genauso wenig wie ihn. Für ihn gab’s nur heute und morgen. Ich wünschte, er wäre noch hier, weil wir ihn alle als Freund vermissen. Ich habe meinen Geschäftspartner verloren, meinen Reisebuddy, meine Schulter zum Anweinen, meinen Coach. Wir alle im Team werden ihn unglaublich vermissen.

Lewis Hamilton:

Ich vermisse Niki von ganzem Herzen. Es fällt mir schwer, über ihn zu sprechen; jemand, der dir und der ganzen Welt so viel bedeutet hat. Ich habe nur großartige Erinnerungen an Niki. Zum Beispiel an unsere ersten Gespräche. Die haben irgendwann 2012 begonnen, als ich von Niki einen Anruf bekam und er versuchte, mich zu überreden, ins Team (zu Mercedes, d. Red.) zu kommen. Später, in Singapur ist er in mein Zimmer gekommen, und wir hatten eine tolle Konversation. Niki meinte: „Mein Gott, du bist in vielen Dingen wie ich!“ Tatsächlich haben wir viel gemeinsam. Von da an hatten wir eine großartige Beziehung.

Wir reisten zusammen, und ich hab viel Zeit mit ihm auf Ibiza verbracht. Er war großartig, unterhaltsam, und er wusste die tollsten Geschichten zu erzählen. Er war ein Vollblutrennfahrer, und er hat sich immer Gedanken gemacht, wie wir uns verbessern können. Die größte Ankerkennung gab’s, wenn er seine Kappe gezogen hat. Das war das größte Kompliment, das er dir machen konnte. Aber dann wollte er gleich wieder wissen: „Hey Lewis, was brauchst du, um noch besser zu werden?“ Wenn ich was von ihm gelernt hab, dann das: Er ist den Dingen immer nachgejagt.

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Als Fahrer und im Team musst du zusammenarbeiten, aber du musst es auch führen. Du musst das Team führen, du musst die richtigen Fragen stellen und du musst in die Tiefe gehen und jeden pushen, wenn ohnehin schon jeder jeden pusht. Es ist, wie wenn du im Gym ein Workout machst und du beim neunten von zehn Liegestützen glaubst du bringst nicht mehr zusammen. Dann gibt es jemanden bei dir hilft, dich schneller zu erholen und nach vorne zu blicken.

Niki inspirierte mich, indem er mir seine Unterstützung gab, wenn ich sie brauchte. Als Rennfahrer weiß er exakt, wenn ein Rennfahrer diesen Extra-Boost braucht, da hat er die richtigen Worte. Er war die Person, die mich in schwierigen Zeiten unterstützte, als er da war mit seiner Unterstützung, als er mir geholfen hat, zurück zu kommen und mich daran zu erinnern, warum ich dies und das tat und dass ich gut genug bin, um es zu schaffen. Darin war er sehr gut.

Meine Lieblings-Erinnerung an Nikis Rennfahrerkarriere ist definitiv sein Comeback nach dem schweren Unfall. Als er diese schlimmen Verbrennungen hatte und sein Leben an der Kippe stand. Und wie schnell er sich erholt hat, zurückgekommen ist und wieder Rennen gefahren ist. Seine Entschlossenheit, trotz all dieser Verletzungen ins Auto zurück zu kommen, war unglaublich. Und ich weiß, da hatte er noch schlimme Schmerzen, aber weil er das Rennfahren so sehr geliebt hat, ist er so schnell zurück gekommen.

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