Vettel jetzt

Interview

Vettel jetzt "kompletterer Fahrer"

Red Bull-Teamchef Horner lobt seine WM-Hoffnung vor dem Saisonstart.

Red Bull ist schnell, für manchen Experten zum Auftakt sogar das schnellste Team der Formel 1. Christian Horner hat den österreichisch-englischen Erfolgsrennstall seit 2005 als Teamchef entscheidend mitaufgebaut. Im Interview sprach der 36-jährige Brite vor dem Saisonstart in Bahrain über die gestiegene Erwartungshaltung, die Vorzüge seiner Piloten und darüber, warum Erfahrung unersetzlicher Teil des Lebens ist:

Frage: Die Ansprüche bei Red Bull sind nach der so erfolgreichen Vorsaison offensichtlich höher geworden. Ihre Erwartungen an Sebastian Vettel und Mark Webber?
Horner: "Beide haben 2009 eine unglaublich starke zweite Saisonhälfte gehabt. Wir müssen dieses Level halten und wollen den WM-Titel. Wir sind das einzige Topteam, das die Fahrerpaarung nicht gewechselt hat. Unser Programm steht auch für Kontinuität."

Frage: Das Auto ist eine Evolution des Vorjahresmodells. Wie sehr kann man noch vom Vorsprung profitieren?
Horner: "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir etwas mitnehmen können. Aber man darf Schwergewichte wie McLaren und Ferrari niemals unterschätzen. Dazu gibt es andere sehr konkurrenzfähige Teams. Wir sind optimistisch, aber nicht überoptimistisch. Wichtig ist die Weiterentwicklung im Lauf der Saison."

Frage: Sind die Autos technisch bereits ausgereizt, oder könnte die Entwicklung ein Schlüsselfaktor in der WM werden?
Horner: "Der Vorderreifen ist signifikant schmäler geworden, dazu kommt das zusätzliche Gewicht wegen fehlender Tankstopps. Da haben wir noch sehr viel zu lernen. Die Rate im Winter war enorm, aber wir haben immer noch viel Entwicklungsarbeit vor uns. Die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung wird die WM entscheiden. Zwischen dem Auto das wir jetzt haben, und dem, das wir am Saisonende haben werden, liegen ein bis zwei Sekunden."

Frage: Im Vorjahr hat Ihr Team womöglich der Doppel-Diffusor von Brawn um die WM-Chance gebracht. Was macht Sie zuversichtlich, dass das neue Reglement keine derartigen Schlupflöcher lässt?
Horner: "Das ist schwierig zu sagen, wenn man noch nicht weiß, was genau die anderen Autos fahren. Es ist blanke Ironie, dass die Teams, die im Vorjahr noch Pioniere waren, diese Technik heuer verbieten lassen wollten. Die Leistung hat sich mit dem Doppel-Diffusor jedenfalls dramatisch gesteigert."

Frage: Hat der Diffusor Ihren Team den WM-Titel gekostet?
Horner: "Jenson Button hat sechs der ersten sieben Saisonrennen gewonnen, danach kein einziges mehr. Das demonstriert schon die Stärke dieses Teils. Der Doppel-Diffusor hat der Meisterschaft geschadet. Wenn man sich die Punkte ab dem ersten Rennen, bei dem wir eine ähnliche Lösung gehabt haben (7. WM-Lauf in der Türkei/Anm.), ansieht, wären wir sehr gut dabei gewesen."

Frage: Grob gesehen können heuer acht Fahrer Weltmeister werden. Was sind die speziellen Vorzüge Ihrer beiden Piloten?
Horner: "Sebastian geht in sein drittes volles Jahr in der Formel 1. Er hat eine sehr gute Vorsaison hingelegt, nun hat er auch die nötige Erfahrung. Vettel ist jetzt ein kompletter Fahrer. Er hat alles, um Weltmeister zu werden, Mark Webber auch. Der ist körperlich viel besser vorbereitet als im Jahr davor und hat zwei Rennen gewonnen. Das hat sein Selbstvertrauen auf eine neue Ebene gehoben."

Frage: Sie haben die Erfahrung von Vettel angesprochen. Hat ihm die noch zum WM-Titel gefehlt?
Horner: "Erfahrung kann man nicht substituieren, sie ist ein Teil des Lebens. Das ist das Gleiche im Motorsport, aber auch in allen anderen Sportarten. Das sind Dinge, die kann einem niemand abnehmen. Erfahrungen muss man machen, aber Sebastian ist sehr aufnahmefähig. Auch als Team kann man immer lernen - sogar nach einem so starken Jahr wie dem vergangenen."

Frage: Was ist Ihre langfristige Strategie, um das Team auf diesem hohen Level zu halten?
Horner: "Unser Ziel ist es, Titel zu gewinnen. Das wird es immer sein, das ist das ultimative Ziel. Wenn wir das einmal erreicht haben, wollen wir es wieder tun. Wir wollen unsere erfolgreiche Strategie so gut wie möglich beibehalten. Wir haben gute Leute, mit denen wir weiterarbeiten wollen."

Frage: Renault ist weiterhin Motorenpartner. Bleibt das auch so, sollte sich deren Werksteam einmal aus der Formel 1 zurückziehen?
Horner: "Das kommt auf die Leistung der Ingenieure und den Service, den sie bieten, an. Sie waren immer sehr ehrlich zu uns, was die Zukunft betrifft. Wir haben ein gutes Verhältnis. Am Ende kommt es aber auf die Qualität des Produktes an."

Frage: Stimmt die Qualität des Produktes?
Horner: "Die Motorenentwicklung ist eingefroren worden. Das Problem dabei ist, dass das zu einem fixen Zeitpunkt (2007/Anm.) passiert ist, von dem an die Vor- und Nachteile anhaltend sind. Renault hat das Reglement im Gegensatz zu anderen sehr wörtlich genommen. Wir waren dadurch offensichtlich gegenüber den mit Mercedes-Motoren ausgestatteten Teams im Nachteil."

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