ÖSV-Herrenchef warnt vor 'Katastrophe'

Vor Saisonstart

ÖSV-Herrenchef warnt vor 'Katastrophe'

 Mit der Hoffnung auf viele Kugelgewinne starten Österreichs Skiherren am Sonntag in den Weltcupwinter. Marcel Hirscher als siebenfacher Titelverteidiger in der Gesamtwertung und regierender Riesentorlauf- und Slalomsieger gilt erneut als Topfavorit in den drei Wertungen. Erstmals seit 2008 und Hannes Reichelt im Super-G sowie 2012 und Klaus Kröll in der Abfahrt soll es im Speed wieder klappen.
 

Abwartend

Wie üblich ziert sich Andreas Puelacher ein wenig, vor dem Auftakt-Riesentorlauf in Sölden über den Gesamtweltcup zu sprechen. "Ab Mitte Jänner sieht man, wo es hingeht. Der Gesamtweltcup muss passieren. Aber wenn Marcel im Slalom und Riesentorlauf in Topform ist, dann passt das. Mal sehen, wie sich die Saison entwickelt, vielleicht lässt er auch ein paar Rennen aus, das weiß man noch nicht so genau", sagte der Herren-Rennsportleiter zur APA - Austria Presse Agentur über den Jung-Papa aus Salzburg.
 
Wichtig werde es sein, bei jedem Rennen die optimale Leistung abrufen zu können. Denn neben Hirscher stehen auch der Norweger Henrik Kristoffersen und der Franzose Alexis Pinturault in puncto Gesamtsieg hoch im Kurs. "Und wenn sich die drei gegenseitig Punkte nehmen, dann kann auch ein dominanter Speedfahrer, der vielleicht noch die Kombis und Parallelbewerbe fährt, ganz vorne mitmischen. Ganz ausschließen würde ich das nicht", warnte Puelacher. Hinter Hirscher und Kristoffersen hatten sich 2017/18 in der Gesamtwertung mit den Norwegern Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud sowie dem Schweizer Beat Feuz drei Speed-Spezialisten eingereiht, erst dann folgten Pinturault und als zweitbester Österreicher auf Rang sieben Vincent Kriechmayr.

Ausnahmeerscheinung Hirscher

Puelacher wird mit seinem Team versuchen, an seine mit 35 Podestplätzen - 17 ersten, 9 zweiten und 9 dritten Rängen - erfolgreichste Saison als Rennsportleiter anzuknüpfen. "Obwohl aus der Rennmannschaft einige verletzt waren, war die letzte Saison sehr gut. Wir sind im Sommer bis auf den Zehenbruch von Hannes Reichelt von Verletzungen verschont geblieben, alle sind fit. Wir waren mit zwei Speedgruppen in Chile und mit zwei Technikgruppen in Neuseeland und haben sehr gute Bedingungen vorgefunden. Ich hoffe, dass sich das auszahlt und wir als Mannschaft noch kompakter werden."
 
In den technischen Disziplinen bleibt für Puelacher sein Vorzeigeathlet Hirscher die "Ausnahmeerscheinung", aber andere aus der Mannschaft hätten einen Schritt nach vorne gemacht, so u.a. Manuel Feller, Michael Matt, Marco Schwarz, Christian Hirschbühl oder Roland Leitinger und Stefan Brennsteiner. "Wir haben in jeder Disziplin eine kompakte Mannschaft. Ob es reicht, Marcel vom obersten Stockerl runterzustoßen, traue ich mich nicht zu sagen. Marcel entwickelt sich auch weiter, er ist verletzungsfrei geblieben, hat viel mehr trainiert als letztes Jahr um diese Zeit. Das wird spannend zum Zuschauen." Im Slalom gab es noch keine Vergleiche von Hirscher mit der restlichen ÖSV-Mannschaft, im Riesentorlauf schon. "Einmal ist der vorne, einmal der. Trainingszeiten soll man nicht überbewerten", weiß Puelacher.
 

Speed-Kugel

Gebrochen werden soll im Super-G die Dominanz der Norweger. Seit 2012 gingen die Kugeln dreimal an Svindal, dreimal an Jansrud und einmal an Aleksander Aamodt Kilde. In der Abfahrt waren seit 2013 zweimal Svindal, einmal Jansrud, zweimal der Südtiroler Peter Fill und in der Vorsaison der Feuz erfolgreich. "Es wäre an der Zeit, dass wir wieder einmal eine Speedkugel machen. Unsere Speedmannschaft ist großteils noch jung, es sind alle fit geblieben über eine längere Zeit. Ich glaube, die Mannschaft entwickelt sich zu einem Team, das um die Kugeln mitfahren kann."
 
Die Norweger, die Südtiroler, Feuz und den Deutschen Thomas Dreßen zählte Puelacher als potenzielle Siegfahrer aus dem Konkurrentenkreis auf. "In der Abfahrt ist eine sehr hohe Dichte, ein sehr hohes Leistungsniveau. Es wird nicht leicht, aber die Kugel muss ein Ziel sein." Österreichs Speedfahrer werden am 7. November zum Training nach Copper Mountain fliegen, um für ihren Saisonauftakt am 24./25. November in Lake Louise bereit zu sein. Die vergangene Weltcupsaison hatte am WM-Schauplatz von 2019 in Aare mit dem Ex-aequo-Sieg von Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr in der Abfahrt sowie dem Erfolg Kriechmayrs im Super-G glänzend geendet.
 

"Katastrophe"

Ein Ärgernis ist Puelacher die Reduktion von Startplätzen, jeweils einen Startplatz weniger müssen die großen Skinationen wie Österreich, die Schweiz und Italien bereits in der neuen Saison hinnehmen. Die Pläne des Internationalen Skiverbands (FIS) sehen in den kommenden Jahren bis zu fünf weitere Kürzungen pro Land vor. Für Puelacher würde das einer "Katastrophe" gleichkommen, das Niveau würde sinken und man würde den Jungen die Perspektive nehmen, befürchtet er.
 
2018/19 haben die ÖSV-Herren über Basisquote und Weltrangliste also maximal acht Startplätze in jedem Rennen, dazu kommen die über den Europacup qualifizierten Athleten. Johannes Strolz als Gesamtsieger und Teamkollege Dominik Raschner als Zweiter haben sich die universelle Startberechtigung gesichert. Mit dem Gewinn von Disziplinwertungen erhielten Christopher Neumayer (Abfahrt), Christoph Krenn (Super-G), Raschner (Riesentorlauf) und Daniel Danklmaier (Kombination) einen Fixplatz in der jeweiligen Disziplin.
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