Gottwald droht dem Verband sogar mit "Streik"

Kombination: Olympia-Bewerb führt zu "Nachbeben"

Die Athleten des Weltcups der Nordischen Kombination wollen Vorfälle wie beim Großschanzen-Bewerb der Olympischen Spiele für die Zukunft ausschließen. Das Durchziehen des Springens, obwohl die besten fünf Athleten des Weltcups angesichts der sich rapide verschlechternden Bedingungen völlig chancenlos waren, führte am Freitag in Lahti zu einem "Nachbeben".

Die Sportler wollen bis zum Saison-Finale nächste Woche in Oslo eine Erklärung von FIS und IOC zu den Jury-Entscheidungen. Sollte diese nicht zufriedenstellend ausfallen, stellte Felix Gottwald sogar einen "Streik" in den Raum.

Die Jury hatte am 25. Februar in Whistler beim zweiten Start des Springens den Windkorridor stark vergrößert und nicht reagiert, obwohl sich gegen Ende die Bedingungen dramatisch verschlechterten. Normalschanzen-Olympiasieger Jason Lamy Chappuis (FRA), Magnus Moan (NOR), Felix Gottwald und Co. waren daher von vornherein chancenlos. Die von den Trainern einhellig und rechtzeitig geäußerte Meinung, der Durchgang müsse annulliert werden, wurde von der Jury ignoriert.

Ähnliches dürfe sich nicht wiederholen, erklärten die Athleten und unterschrieben nahezu vollzählig ein von Gottwald initiiertes, dreiseitiges "Bekenntnis". Darin wurde ein Ende der "Funktionärs-Willkür" gefordert und kritisiert, dass ein elementarer Wert des Sport, die Fairness, grob verletzt worden sei. "Werden wir als Athleten von den Veranstaltern und Verbänden mit dem entsprechenden Respekt wertgeschätzt oder als Statisten, als Erfüllungsgehilfen für das Big Business Olympia gesehen und missbraucht?", fragten die Athleten in dem Schreiben.

Bemängelt werden vor allem fehlende Kommunikation zwischen Jury und Athleten sowie mangelnde Flexibilität. "Bei Olympischen Spielen eine so fragwürdige Wettkampfplanung anzusetzen, die letztlich kaum Möglichkeiten offen ließ, einen für alle Athleten fairen Wettbewerb durchzuführen, ist entweder als inkompetent, ignorant oder eine Mischung aus beidem zu bezeichnen", schrieben die Athleten.

Bei einer von Walter Hofer, dem Chef des Kombinierer-Weltcups, einberufenen Aussprache am Freitagvormittag gingen u.a. beim Norweger Moan die Emotionen hoch. Hofer, der kritisiert wurde, weil er beim letzten Olympia-Bewerb der Kombinierer gar nicht mehr vor Ort war, nahm die Verantwortung auf sich, obwohl er feststellte, dass er nicht Mitglied des Wettkampfmanagements ist und daher in Whistler gar nicht eingreifen konnte. Der Salzburger will künftig, wie im Skispringen bereits praktiziert, einen Kreis von rund fünf Offiziellen auswählen, die künftig alle Weltcupbewerbe leiten sollen.

Gottwald zeigte sich nach dem mehr als einstündigen Gespräch noch nicht zufrieden. Hofer konnte eine Stellungnahme der FIS erst für den Kongress im Mai zusagen, wenn das zuständige Gremium zusammentreffe, kündigte aber bis nächste Woche eine Stellungnahme des Technischen Delegierten, des Österreichers Günter Csar, an. Gottwald meinte, zu den möglichen Konsequenzen befragt, falls dies nicht geschehe: "Fernseh-Übertragungen können nur stattfinden, wenn auch die Athleten mitspielen."

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