Biathlon: Doping-Skandal enthüllt

Olympiasieger geoutet

Biathlon: Doping-Skandal enthüllt

Die Internationale Biathlon-Union (IBU) hat am Donnerstag mitgeteilt, dass vier russische Athleten unter Dopingverdacht stehen. NDas Quartett habe laut dem Biathlon-Weltverband gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen und nun zwei Wochen Zeit, eine Stellungnahme zu den vorgeworfenen Vergehen abzugeben. Laut russischen Medienberichten sollen neben zwei weniger bekannten Athleten auch die Olympiasieger Swetlana Slepzowa und Jewgenij Ustjugow betroffen sein. Slepzowa holte 2010 in Kanada Olympia-Gold mit der russischen Staffel. Ustjugow gewann damals den Massenstart und siegte vier Jahre später bei den Heimspielen in Sotschi mit der Staffel.
 

Internationale Biathlon-Union in der Krise

Die IBU, die ab 7. September im kroatischen Porec zu ihrem Wahlkongress zusammentrifft, befindet sich seit Monaten in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Anfang April war öffentlich geworden, dass seit Ende 2017 Ermittlungen der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien wegen Doping- und Betrugsverdachts laufen. Die Ermittlungen richten sich gegen den ehemaligen Präsidenten Anders Besseberg und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch, die ihr Amt ruhen lässt, sowie russische Sportler und Betreuer. Das Internationale Olympische Komitee IOC hatte daraufhin alle Zahlungen an die IBU eingestellt. Die Zuwendungen sollen erst dann fortgesetzt werden, wenn der Biathlon-Weltverband unter anderem einen neuen Präsidenten gewählt und seine Anti-Doping-Verfahren reformiert habe, hieß es von Seiten des IOC. Die Präsidentenwahl findet nun in Porec statt.

65 Dopingfälle vertuscht

Korrupte Funktionäre im Weltverband sollen seit 2011 65 Dopingfälle vertuscht haben, auch im Rahmen der WM 2017 in Hochfilzen. Hauptsächlich waren davon russische Athleten betroffen. Der Norweger Besseberg, so hieß es in einem internen Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, soll sich als Gegenleistung für die Forcierung der WM-Vergabe an die russische Stadt Tjumen unter anderem mit bezahlten Jagdausflügen bestechen lassen haben. 

Russland nach Dopingskandal 2015 unter Beschuss

Für die russische Nation kämen weitere Dopingfälle zur falschen Zeit. Russland hofft, am 20. September bei einer WADA-Sitzung auf den Seychellen wieder in das weltweit höchste Anti-Doping-Gremium aufgenommen zu werden. Im November 2015 war die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA nach der Aufdeckung des Dopingskandals um die Winterspiele in Sotschi von der WADA als "nicht regelkonform" eingestuft worden. Als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme fordert die WADA unter anderem eine öffentliche Anerkennung des McLaren-Reports, der Russland ein institutionalisiertes Dopingsystem bescheinigte, sowie den uneingeschränkten Zugang zum Moskauer Anti-Doping-Labor. Beides ist bislang nicht geschehen. Das IOC hatte Russland dagegen unmittelbar nach den Winterspielen 2018 in Pyeongchang, wo russische Athleten nur unter neutraler Flagge antreten durften, wieder mit allen Rechten ausgestattet.

 

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