Doping-Causa für Kohl nicht ausgestanden

Anzeige droht

Doping-Causa für Kohl nicht ausgestanden

Mit dem mickrigen Doping-Geständnis vor der Rechtskommission der NADA ist die Sache für Kohl noch nicht ausgestanden. Auch eine Anzeige droht.

Zu dopen ist auch in Österreich kein Kavaliersdelikt mehr, auf Bernhard Kohl kommen harte Zeiten zu. Nicht allein, dass der Radprofi von der Rechtskommission der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) für zwei Jahre gesperrt worden ist. Gegen den 26-Jährigen liegt eine Anzeige wegen Betrugs vor, Hans-Michael Holczer, der Manager des sich mit Saisonende auflösenden Gerolsteiner-Teams, überlegt die Einleitung rechtlicher Schritte. Des weiteren wird der Niederösterreicher voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres von einem Gericht in Frankreich befragt werden.

Jeglichen Bonus verspielt
Den nach seinem weinerlichen Geständnis hierzulande vermeintlich erworbenen Sympathie-Kredit hat Kohl am Montag schnell verspielt. Entgegen Ankündigungen nannte der dank unerlaubter Mittel auf Platz drei der diesjährigen Tour-de-France Gefahrene keine Hintermänner und gab der NADA keinen Anlass, ihm weniger als die Höchststrafe von zwei Jahren Sperre aufzubrummen. "Er hat nur gesagt, was wir gewusst haben, was in der positiven Analyse festgehalten wurde. Wo soll es da mildernde Umstände geben?", sagte also auch NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab.

Die NADA habe Kohl angeboten, so viel als möglich zu sagen und damit strafmildernde Gründe - wie im ab 1. Jänner geltenden neuen Code der Welt Anti Doping Agentur (WADA) verankert - geltend zu machen. "Kohl hat davon absolut nicht Gebrauch gemacht. Und jetzt kritisiert und beschwert er sich über ein zu hohes Urteil. Wir gehen aber mit dem IOC und der WADA gemeinsam einen sehr konsequenten Weg", lässt sich Schwab nicht "verkohlen".

Befürchtungen eingetreten
Der NADA-Geschäftsführer hat es aber so kommen sehen. "Kohl hat viel versprochen und nichts gehalten. Er hat auf die Tränendrüse der Österreicher gedrückt, um Mitleid geheischt, aber er wurde von einem Umfeld entsprechend beraten. Ich habe erwartet, dass er uns mehr sagen wird, als er gesagt hat. Aber ich habe aufgrund der Erfahrungen damit gerechnet, dass er nicht mehr sagen wird", meinte Schwab. Kohl hat nach Zustellung des schriftlichen Urteils einen Monat Zeit, vor der Schiedskommission zu berufen. Das gesamte Vernehmungsprotokoll wird an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Frankreich will ermitteln
Während dopende Sportler in Österreich strafrechtlich nicht verfolgt werden, sind die Gesetze in Frankreich anders. Der Italiener Riccardo Ricco, der ebenfalls während der Tour de France positive Dopingtests abgegeben hat, ist bereits von einem Gericht in Foix befragt worden. Schwab ist von Philippe Dautry, dem Generalsekretär der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD), mitgeteilt worden, dass die AFLD erwägt, auch gegen Kohl in Frankreich Schritte einzuleiten. "Es ist alles ein längerer Prozess, wir denken, dass Kohl im Jänner oder Februar von einem Gericht in Frankreich befragt werden wird", hieß es am aus dem AFLD-Büro.

Das Verfahren gegen Ricco läuft noch, bis Ende des Jahres will das Gericht entscheiden, ob es Ricco strafrechtlich belangen wird. Ihm wird der Kauf, der Import, der Transport, die Aufbewahrung und die Verwendung illegaler Substanzen vorgeworfen. Bernhard Kohl hat zugegeben, nach der Dauphine Libere zu EPO-CERA gegriffen zu haben, um für die Tour de France wieder in Form zu kommen.

Auch Gerolsteiner will Gerechtigkeit
Kohl musste sich auch von dem Gedanken trennen, dass das Gerolsteiner-Team Gras über die Sache wachsen lässt. Holczer hatte angekündigt, eventuell auf Schadenersatzansprüche zu verzichten, wenn Kohl Hintermänner nennt: "Ich hatte mit Kohl vor vier Wochen eine Unterredung in Stuttgart. Er hat mich informiert, ich habe einem von ihm angestrebten Auflösungsvertrag nicht zugestimmt. Ich habe in groben Zügen geahnt, was von ihm kommen wird. Da müsste von ihm aber eindeutig mehr kommen. Nun behalte ich mir rechtliche Schritte vor", sagte Kohls Noch-Arbeitgeber Holczer.

"Inoffizielle" Sperre von vier Jahren
Die Sperre von Kohl beläuft sich auf zwei Jahre, halten sich die Pro-Tour-Teams aber an den Ehrenkodex, so wird er vier Jahre lang keinen Vertrag mehr in der obersten Radsport-Liga bekommen. "Der Ehrenkodex besagt, dass, wer zu einer Zweijahressperre verurteilt wurde, für weitere zwei Jahre nicht von einem Pro-Tour- oder Wildcard-Team verpflichtet wird. Liquidas hat mit der Verpflichtung von Ivan Basso dagegen verstoßen und ist aus der Vereinigung ausgeschlossen worden. Es geht um Ehre und Charakter, der Großteil der Teams hält sich daran", erklärte Holczer, der glaubt, dass Kohl aus diesem Grund auch gehofft hatte, mit einer kürzeren Sperre davonzukommen. Das Team Gerolsteiner ist nach den Dopingaffären aus dem Profi-Radsport ausgestiegen.

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