Dopingsumpf in Deutschland?

400 Kontrollen

Dopingsumpf in Deutschland?

ARD-Doku deckt auf: Deutsche Athleten bei 400 Doping-Kontrollen nicht anwesend. Aber: Keine Konsequenzen.

Bei den unangekündigten Doping-Kontrollen in Deutschland ist bei weitem nicht alles eitel Wonne. In einer 30-minütigen Reportage ("Mission Sauberer Sport") berichtet der TV-Sender ARD am (heutigen) Mittwoch (21:45 Uhr), dass im vergangenen Jahr in Deutschland rund 400 Doping-Kontrollen nicht stattfinden konnten, weil etwa 250 Athleten bei in der Regel unangemeldeten Tests nicht angetroffen wurden. Die fälligen Sanktionen durch die diversen Sportverbände seien nicht ausgesprochen worden.

Sperre fällig
Manche Athleten wurden demnach sogar mehrmals nicht angetroffen, ohne dafür bestraft worden zu sein. Laut Reglement ist beim ersten "Missed Test" eine Verwarnung fällig, beim zweiten eine zweimonatige Sperre, beim dritten Mal die Rote Karte für ein Jahr. Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, will den Vorwürfen nachgehen, allfällige Lücken müssten rasch geschlossen werden. Die Nationale Anti-Doping-Agentur müsste alles prüfen und entsprechend handeln.

Pound überrascht
Richard Pound, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA meinte, die Ergebnisse der Recherche hätten ihn sehr überrascht. "Ich dachte, das deutsche Anti-Doping-Programm ist erstklassig. Die Versäumnisse müssen Folgen durch die NADA oder den Deutschen Olympischen Sportbund haben", erklärte der Kanadier. Die meisten der bei Doping-Tests nicht angetroffenen Sportler sind Leichtathleten, gefolgt von Radsportlern, behaupteten die Autoren der Fernseh-Reportage. "Es gibt erhebliche Probleme bei den nicht angemeldeten Kontrollen", meinte auch der Deutsche Helmut Digel, der Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

Jeder zweite dopt
Zahlreiche deutsche Topathleten hätten demnach 2006 gar nicht am Start stehen dürfen, wenn Sanktionen verhängt worden wären, wie es das Reglement bei "Missed Tests" vorsieht. In einer anonymen Befragung habe jeder zweite deutsche Spitzensportler zugegeben, zu dopen oder gedopt zu haben.

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