Drei Millionen am ÖOC-Geheimkonto

Prüfbericht

Drei Millionen am ÖOC-Geheimkonto

Kein Tag ohne neue Enthüllungen in der ÖOC-Finanzaffäre: Immer konkretere Zahlen, neue Facts – auch Olympia 2008 ist betroffen.

Noch ist der Prüfbericht, den das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) in Auftrag gegeben hat, erst im Rohzustand fertig, doch er enthält so viel Sprengstoff, dass er bereits der Staatsanwaltschaft übergeben wurde. Einer der wenigen, der ihn schon gesehen hat, ist der neue ÖOC-Präsident Karl Stoss, der seinen Stab über die brisantesten Details unterrichtet hat.

Wo sind 1,4 Millionen?
Die größte Bombe schlummert wohl in jenem geheimen ÖOC-Konto, über das insgesamt drei Millionen Euro Schwarzgeld geflossen sind. Laut Stoss ist der verbleib von 1,6 Millionen geklärt – der Rest, also die stattliche Summe von 1,4 Millionen – ist offen.

Stoss’ Hauptaugenmerk liegt jetzt darauf, den Verbleib des Geldes zu klären.

  • Insider äußern den Verdacht, dass ein großer Teil der Summe auf private Konten geflossen sein dürfte. Auskunft darüber können nur die drei Zeichnungsberechtigten dieses Kontos geben: Ex-ÖOC-General Heinz Jungwirth, seine ihm ergebene Ex-Stellvertreterin Manuela K. (sie wurde vor wenigen Tagen von Präsident Stoss fristlos entlassen), sowie Stoss-Vorgänger, Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
  • Ein ebenso großer Teil soll für Mittel aufgewandt worden sein, die in die Salzburger Bewerbung für die Spiele 2014 „investiert“ wurden. Hier kann sicher auch der „Strategieberater“ des ÖOC, Erwin Roth, Auskunft geben, der auch Gespräche mit südamerikanischen Salzburg-Lobbyisten koordinierte.

Bestechungsverdacht
Insider berichten von ganzen Plastiksäcken voll Geld, mit denen man zu den Olympischen Spielen 2006 in Turin angereist war, um dort die IOC-Delegierten zu „überreden“.

Als man nach Österreich zurückkehrte, wären in denselben Säcken (dubiose) Rechnungen gewesen, mit denen der Verbleib des Geldes erklärt werden sollte.

Hier wird der Fall politisch brisant – denn bekanntlich hatten sich politische Größen wie Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer stark gemacht.

  • Gespeist wurde das geheime Konto über ein offenbar virtuelles Reisebüro namens TF mit Sitz in Kitzbühel. Gesellschafter: Doping-Experte Hans Holdhaus und – Überraschung! – ÖOC-Capo Jungwirth. Über dieses Büro wurden AUA-Flugmeilen in Bargeld „verwandelt“.

Was lief in Peking?
Der lockere Umgang des ÖOC mit Geld endete auch nach der gescheiterten Salzburger Olympia-Bewerbung nicht. Diese Bombe lässt jetzt Sportminister Norbert Darabos im ÖSTERREICH-Gespräch platzen: „Auch bei den Olympischen Spielen 2008 sind einige Vorgänge prüfenswert.“ Dabei geht’s allerdings „nur“ um verschwundene Autos und exklusive Espressomaschinen.

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