Humanplasma weist ÖOC-Vorwürfe zurück

Dopingstreit

Humanplasma weist ÖOC-Vorwürfe zurück

Blut-Institut richtet offenen Brief an ÖOC-Präsident Karl Stoss.

Die Aussage von ÖOC-Präsident Karl Stoss, wonach deutsche Sportler in die Blutdoping-Affäre bei Humanplasma verwickelt waren, hat die Unternehmensführung am Dienstag zurückgewiesen. Humanplasma pochte in einem Offenen Brief an Stoss außerdem darauf, dass man die Aufdeckung der Blutdoping-Affäre nicht behindert und keine Informationen zurückgehalten habe. Mit Walter Mayer, Martin Kessler und Stefan Matschiner nannte Humanplasma als die drei Drahtzieher, die von 2003 bis 2006 für rund 30 Sportler Blutdoping organisiert hätten.

Aufregung nach TV-Interview
Stoss, seit Herbst Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, hat gegenüber einem deutschen TV-Sender zum Thema Humanplasma erklärt, "dass auch eine ganze Menge deutscher Sportler da auf der Liste stehen". "Diese Behauptung ist falsch. Nach allen uns vorliegenden Informationen waren keine deutschen Sportler zur Blutabnahme bei Humanplasma", hieß es in dem Brief.

Man habe den Ermittlungsbehörden Informationen über das Zustandekommen, den Ablauf und den Umfang von Blutabnahmen für Sportler offengelegt. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Humanplasma sind im Vorjahr eingestellt worden, ein Finanzstrafverfahren ist hingegen noch anhängig.

Institut nennt weiter keine Namen
Namen der "etwa 30" involvierten Sportler bleibt Humanplasma zwar weiter schuldig, bezeichnete jedoch Mayer, Ex-Rudernationaltrainer Kessler und den ehemaligen Sportmanager Matschiner als Hintermänner. Der frühere Langlauf-Erfolgstrainer Mayer und Kessler seien im Sommer 2003 mit der Bitte, Blutabnahmen für die von ihnen vertretenen Sportler durchzuführen, an Humanplasma herangetreten.

Insbesondere Mayer habe dann Blutabnahmen für Athleten, die nicht nur aus dem Wintersportlager kamen, durchführen lassen. Anfang 2005 übernahm laut Humanplasma dann Matschiner die Rolle von Mayer. Die drei Drahtzieher hätten Termine vereinbart und koordiniert, die Sportler zu den Blutabnahmen begleitet und die Blutkonzentrate für die spätere Rückführung vor Wettkämpfen abgeholt. Nach den Razzien in den Unterkünften der österreichischen Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Spielen im Februar 2006, wurden die Machenschaften eingestellt.

Fehler ja, aber kein Gesetzesverstoß
Humanplasma betonte außerdem, dass es bereits mehrfach erklärt habe, dass die Vorgänge aus "heutiger Sicht ein Fehler" waren. Gegen damals geltende Gesetze hätte man freilich nicht verstoßen. Man habe sich um Aufklärung bemüht, bei Stoss sei hingegen "keinerlei Bemühen um eine aufrichtige Aufarbeitung der österreichischen Blutdoping-Affäre" zu erkennen. Den Eindruck erwecken zu wollen, Doping in Österreich lasse sich auf das Stichwort "Humanplasma" reduzieren, werde der Verantwortung von Stoss für die Bewältigung der österreichischen Doping-Vergangenheit nicht gerecht, so das Unternehmen.

Nur Kohl geständig
Von den mutmaßlich involvierten Sportlern hat bisher nur Bernhard Kohl zugegeben, Humanplasma-Kunden gewesen zu sein. Der Ex-Radprofi beichtete dies erst lange nach einem positiven Dopingtest im Jahr 2008. Laut Kohl waren auch der mittlerweile wegen anderer Dopingvergehen lebenslang gesperrte Radfahrer Christian Pfannberger und Triathlet Michael Weiss mit ihm bei Humanplasma gewesen.

Die ehemalige Weltklassemittelstreckenläuferin Stephanie Graf gestand im Vorjahr eine Blutabnahme im Jahr 2003 ein, erklärte aber gegenüber dem "Kurier", das abgenommene Blut nicht refundiert zu haben, womit kein Doping vorliegen würde.

Dutzende Sportler involviert?
Ein "Sportwoche"-Bericht sprach von 36 Sportlern aus sieben Nationen und sechs Sportarten, die die Dopingdienste in Anspruch genommen haben sollen. Darunter sollen, wohl unter Anleitung von Kessler, auch vier Ruderer gewesen sein.

Keine Gesamtliste vorhanden
Weder Sportler, Funktionäre, noch beteiligte Ärzte sind bisher für das Blutdoping belangt worden. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin von Humanplasma mit, dass gegenüber den Ermittlungsbehörden "sehr wohl Namen von Sportlern" genannt worden seien, sofern diese noch "erinnerlich" waren. Eine Gesamtliste von beteiligten Sportlern existiere jedoch nicht, da die Organisation der Aktivitäten in den Händen von Mayer und Co. gelegen sei. Zum anhängigen Steuerverfahren und etwaig erfolgten Sanktionen der Ärztekammer wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

Anklageerhebungen wegen anderer mutmaßlich strafrechtlich relevanter Doping-Delikte gegen Matschiner und Mayer sind aber weiter möglich, die Ermittlungsakten der SoKo Doping liegen seit Monaten bei der Staatsanwaltschaft. Die Nationale Anti-Doping Agentur sichtet seit Herbst Beweismaterial und könnte noch Verfahren eröffnen. Sportrechtliches Vorgehen gegen Beteiligte ist bis acht Jahre nach den Vergehen möglich.

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