Ein halbes Jahrhundert ist für den Judoko um

Judo-Doppel-Olympiasieger Seisenbacher wird 50

Als erster Judoka der Sportgeschichte hat er bei zwei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen Gold geholt. Mit zwei Titeln im Zeichen der Fünf Ringe, einem WM-Erfolg und acht EM-Medaillen (1 Gold/3 Silber/4 Bronze) ist Peter Seisenbacher einer der erfolgreichsten Sommersportler Österreichs. Am Donnerstag wird der am 25. März 1960 geborene, gebürtige Wiener 50 Jahre alt.

30 Jahre ist sein erster Medaillengewinn im Elitebereich her, 1980 bei den Europameisterschaften in Wien holte er Silber; die EM im April dieses Jahres in der Bundeshauptstadt wird er als interessierter Zuschauer verfolgen und hoffen, dass es ein "schönes Judofest" wird.

Seisenbacher hat seinem Umfeld mitgeteilt, dass ihm ein großes Fest und Ehrungen erspart bleiben mögen, er würde seinen Geburtstag viel lieber in Ruhe verbringen. "Geehrt werden, weil man älter wird, das passt nicht zu mir", sagte der frühere Weltklassesportler im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Für sich selbst wünscht er sich, dass es "bei sportlichen und privaten Projekten in kleinen Schritten bergauf geht", damit wolle er zufrieden sein. Seisenbacher ist Vater einer Tochter (Lana, 22) und eines Sohnes (Kevin, 20), die in San Francisco leben, die Tochter ist derzeit aber für ein halbes Jahr in Österreich. Er genießt es, mit den Kindern kleine Europareisen zu unternehmen.

An seine großen Erfolge, erzählte Seisenbacher, werde er immer nur durch andere erinnert. Das sei so lange her, man sollte diese Dinge zu den Akten legen. Am 9. August 1984 gewann der gelernte Goldschmied in Los Angeles als 24-Jähriger die Goldmedaille, seine fünf Kämpfe in der Klasse bis 86 kg erledigte er in insgesamt nur 12 Minuten und 10 Sekunden allesamt positiv. "Ich wollte gegen jeden so schnell wie möglich gewinnen, um Kraft zu sparen. Und ich bin dadurch einfach nie müde geworden. Bis zum Finale nicht", erklärte er damals sein Erfolgsrezept. Nach zwei schweren Knieoperationen, aber dank Technik, Kampfgeist und Erfahrungsschatz verteidigte er den Olympia-Titel am 29. September 1988 in Seoul erfolgreich. "Ich habe mich immer auf meinen nächsten Kampf konzentriert und dass ich volle Wäsche geh'."

Nur einen Monat später wurde der vom aktiven Sport zurückgetretene Seisenbacher als Sporthilfe-Chef vorgestellt. Noch bevor er das Amt des Generalsekretärs mit 1. Jänner 1989 antrat, war er zum dritten Mal nach 1984 und 1985 als Österreichs Sportler des Jahres ausgezeichnet worden und meinte: "Dieser Sympathiebeweis wird mir in meinem zukünftigen Job als Sporthilfe-Generalsekretär sehr viel helfen." Unterstützung benötigte er auch, wie er feststellen sollte, denn die Herausforderung war eine große und das sportpolitische Parkett - anders als die ihm so vertraute Matte - äußerst glatt.

Im Juni 1991 musste sich Seisenbacher - um sein Amt zu behalten - bei Sportminister Harald Ettl entschuldigen. In seiner Funktion als Verbandskapitän des Österreichischen Judoverbandes (ÖJV) hatte er beim Turnier in Leonding einem Grazer Judoka nach einer Meinungsverschiedenheit eine Ohrfeige verpasst. Ein Linzer Gericht hatte Seisenbacher wegen leichter Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Vom ÖJV fasste er ob der Unbeherrschtheit eine einjährige Sperre aus, später legte er nach Differenzen seine Funktion zurück. Im Oktober 1993 trat er als Sporthilfe-Generalsekretär ab und erklärte: "Wenn es so ist, dass die Grundidee nicht mehr übereinstimmt, ist es besser, dass man getrennte Wege geht."

Seisenbacher blieb dem Judosport, mit dem er im Alter von sechs Jahren begonnen hatte ("Meine Mutter schickte mich hin, weil sie hoffte, dass ich dort die Lust am Raufen verlieren würde"), aber stets verbunden. Und das nicht nur als kritischer Beobachter, sondern vor allem als Trainer. Er ist Präsident des Wiener Verbandes ("Da bin ich ganz gut etabliert") und Chef der Judosektion des SC Hakoah, wo er u.a. Julia Pfeifer, die Tochter von Burgschauspielers Karl Pfeifer, trainiert, aber auch viele Leute, die einfach aus Spaß Judo machen. Viermal die Woche steht er auf der Matte und ist an Wochenenden bei Turnieren dabei. "Ich fühle mich da ziemlich wohl. Ich bin gerne Trainer. Das ist für mich die Möglichkeit, etwas Erfahrung weiterzugeben."

Gemeinsam mit heimischen Sportgrößen der jüngeren Vergangenheit engagiert sich Seisenbacher in einer Initiative für mehr Mitsprache im Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC), die vor allem die Etablierung einer Athleten-Kommission anstrebt. Der Jubilar glaubt daran, dass die Kommission kommen wird. "Viele denken darüber ernsthaft nach. Es geht jetzt darum, wie man es am besten macht." Er selbst bemängelt die Absenz von ehemaligen Spitzensportlern im heimischen Sportwesen. Man habe als Exsportler eine Verpflichtung, etwas zurückzugeben und viele, stellte er fest, würden das auch wollen. Als Topsportler im normalen Funktionärswesen Platz zu finden, sei aber mühselig und funktioniere nicht.

"Es gibt einige, die Erfahrungen weitergeben wollen, aber keine Institution, die das auffängt. Da geht unglaubliches Know-how verloren, das sieht man an den Resultaten. Jede Generation erarbeitet sich den Weg an die Spitze hart, und dann wird nichts übernommen." Ziel müsse es sein, dass eine Generation auf die andere aufbaue. "Wenn man einen Startrainer aus dem Ausland holt, ist die Chance natürlich da, dass es funktioniert. Aber das ist mit einem unglaublichen Aufwand verbunden." Im ÖJV komme es kaum vor, dass "einer aus dem eigenen Stall" eine leitende Aufgabe erhalte. Er selbst glaubt, dass er als "sehr bedrohend in der Funktionärswelt" empfunden werde: "Wenn es um den Leistungssport geht, habe ich radikale Positionen. Da gibt es nichts Lauwarmes, mit Halbtraining oder Halbleistung bin ich nicht zufrieden."

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