Zahlte Chelsea Schweigegeld?

Missbrauchsskandal

Zahlte Chelsea Schweigegeld?

Im Skandal um Kindesmissbrauch im britischen Fußballverband gerät jetzt auch Chelsea unter Druck. Der ehemalige Fußballprofi Gary Johnson sagte am Freitag dem "Daily Mirror", er sei als Jugendlicher vom damaligen Talentscout des Vereins, Eddie Heath, missbraucht worden. Chelsea habe ihn jedoch mit einer Zahlung von 50.000 Pfund (knapp 59.500 Euro) zum Schweigen bringen wollen.

Britische Medien hatten bereits vor einigen Tagen über ein Schweigegeld von Chelsea wegen Missbrauchsvorwürfen gegen den inzwischen verstorbenen Chef-Scout berichtet. Es war zunächst aber nicht klar, an wen das Geld gezahlt wurde. Laut dem "Daily Mirror" hat der Premier-League-Club inzwischen auf eine Vertraulichkeitsklausel in der Vereinbarung mit Johnson verzichtet.

Recht auf Wahrheit
"Ich denke, sie haben mich bezahlt, um den Deckel auf dieser Sache zu halten", sagte der 57-jährige Johnson der Zeitung. Millionen Chelsea-Fans auf der ganzen Welt hätten aber ein Recht darauf, "die Wahrheit zu erfahren". Weil er selbst um eine Schweigevereinbarung gebeten worden sei, frage er sich inzwischen zudem, wie viele andere Missbrauchsopfer noch "da draußen" seien.

Kein Täter dürfe "der Justiz entkommen" und kein Club dürfe Missbrauchsvorwürfe vertuschen, sagte Johnson. "Wir brauchen zum Wohl des Spiels jetzt totale Transparenz", fügte der Ex-Fußballprofi hinzu.

Kein Komentar von Chelsea
Chelsea wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Der Club hat nach eigenen Angaben eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, die Anschuldigungen gegen Heath zu untersuchen. Heath hatte von 1968 bis 1979 als Chefscout bei Chelsea gearbeitet. Der Verein kündigte an, alle "relevanten" Ergebnisse der Untersuchung dem englischen Fußballverband (FA) vorzulegen.

Johnson war 1970 als Elfjähriger zu Chelsea gekommen und wurde nach eigenen Abgaben ab einem Alter von 13 Jahren von Heath missbraucht. Von 1978 bis 1981 spielte Johnson für die erste Mannschaft des Clubs. Inzwischen verdient er sein Geld als Taxifahrer in London.

"Süchtig"
Johnson sagte in dem Zeitungsinterview, Heath habe ihm gesagt, dass er in ihn verliebt und "süchtig" nach ihm sei. Er selbst habe sich für den Missbrauch "geschämt". "Ich fühlte mich meiner Kindheit beraubt", sagte der 57-Jährige. Seinen Angaben zufolge hat Heath noch mindestens drei weitere Buben missbraucht.

Der britische Fußball wird seit zwei Wochen von dem Missbrauchsskandal erschüttert, der im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den vorbestraften früheren Jugendtrainer Barry Bennell ins Rollen gekommen war. Am Donnerstag hatte die Polizei mitgeteilt, dass sich bereits rund 350 mutmaßliche Opfer gemeldet hätten.

Bei einer Betroffenen-Hotline des nationalen Kinderschutzverbandes gingen nach Angaben der Organisation mehr als 860 Anrufe in der Angelegenheit ein. Die FA hat indes eine interne Ermittlung zu dem Skandal eingeleitet. FA-Chef Greg Clarke sprach von der größten Krise in Englands Fußball bisher. FA-Geschäftsführer Martin Glenn kündigte an, alle Clubs, die Missbrauchsvorwürfe vertuscht haben, zu bestrafen.

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