Interview nach Karriereende: Das sagt Vanek

Ex-NHL-Star

Interview nach Karriereende: Das sagt Vanek

''Österreich'' sprach mit dem ehemaligen NHL-Legionär über dessen Karrieende.

Thomas Vanek hat seit 2019 auch die US-Staatsbürgerschaft, aber: „Ich werde mich immer als Österreicher fühlen“, so der Legionär.

ÖSTERREICH: Thomas, wann hat sich Ihr Karriere-Ende abgezeichnet?

Thomas Vanek: Letzten Sommer hab ich noch hart trainiert und mich eigentlich unglaublich gut gefühlt. Im August war ich wie immer vier, fünfmal in der Woche am Eis. Ich hatte auch ein paar gute Angebote. Aber mein Bauchgefühl hat mir gesagt: Ich bin noch nicht bereit, es hat sich nicht richtig angefühlt. Im September, zu Beginn der Trainingscamps, haben wieder ein paar Mannschaften angerufen. Aber ich hab gespürt, ich will eigentlich zu Hause bleiben und im Winter meine Söhne sehen und mit ihnen trainieren.

ÖSTERREICH: Dann begann die Saison vorerst ohne Sie ...

Vanek: Ich hab weiter trainiert und hab mir gesagt: Ich bin fit, mir tut nix weh, also könnte ich ohne weiteres noch zwei, drei Saisonen in der NHL spielen, und zwar auf Top-Niveau. Auf der anderen Seite sind da meine Söhne. Blake, mein Ältester, wird im August 13, die Zwillinge sind neun. Du siehst es in den Gesichtern der Kinder, wie froh sie sind, wenn der Papa auch einmal da ist. Im Winter hab ich vielleicht drei, vier Spiele von meinen Söhnen gesehen, das tut schon weh. Ich erinnere mich an meine Zeit, als mein Papa mein Trainer war. Das vergesse ich nie. Dabei war der Einfluss, den er auf mein Leben gehabt hat noch wichtiger als das, was er für mein Eishockey getan hat.

ÖSTERREICH: Also hat Ihre familiäre Situation den Ausschlag gegeben?

Vanek: Ja, dann kam Weihnachten, und wieder haben ein paar Vereine angerufen: Gibt’s was Neues? Ich hab gesagt: Nein, ich hab so viel Spaß, mit meinen Kindern am Eis zu trainieren. Ich kann mir nicht vorstellen, zusammen zu packen und für den Rest der Saison weg zu sein. Mit meinem Agenten hatte ich einen Deal: Ich bleib fit bis zur Trading-Deadline, also bis letzten Montag. Ich hab ihm vier Teams gegeben, mit denen ich mir vorstellen konnte, mir den Traum vom Stanley-Cup-Sieg zu erfüllen. Aber da keines dieser Teams dabei war, hab ich meine Entscheidung getroffen: Genug ist genug!

ÖSTERREICH: Und wie fühlen Sie sich jetzt?

Vanek: Jetzt ist mir leichter. Ich weiß, jetzt fangen für Blake die Play-offs an. Ich bin der Trainer von seinem U12-Team, und ich kann die Sache fertig machen. Wenn ich daran denke, spür ich das Kribbeln im Bauch –nicht als Spieler, sondern als Trainer. Jetzt will ich meinen Kindern das weiter geben, was mir mein Vater mitgegeben hat.

ÖSTERREICH: Sprechen Sie eigentlich Englisch oder Deutsch mit Ihren Kindern?

Vanek: Ich red Englisch mit ihnen. Leider. Früher, als ich deutsch mit ihnen gesprochen hab, haben sie mich nur angeschaut und gelacht. Da hätte ich konsequenter bleiben müssen.

ÖSTERREICH: Sie leben seit Sie 14 sind in den USA – wie schaut’s mit der US-Staatsbürgerschaft aus?

Vanek: Die hab ich schon. Ich bin seit letztem Jahr Doppelstaatsbürger. Sie sind wahrscheinlich der erste Reporter, der das jetzt weiß. So lang ich Eishockeyprofi war, wollte ich nicht großartig Interviews geben und über mein Privatleben plaudern. Ich wollte einfach in Ruhe Eishockey spielen. Ich habe meinen Traum in der NHL gelebt, ich war dreimal im Stanley-Cup-Semifinale, und ich hab fürs Nationalteam gespielt. Mit den Montreal Canadiens waren wir so knapp dran, was Unglaubliches zu erreichen. Carey Price, unser Goalie, war phantastisch. Aber dann hat er sich verletzt, und die Luft war draußen. Das sind die Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Aber ich darf mich wirklich nicht beklagen. Mir geht nix ab: Ich bin jung, hab eine super Frau und drei tolle Kinder und bin bereit, einen neuen Abschnitt zu beginnen.

ÖSTERREICH: Und was planen Sie da?

Vanek: Jetzt will ich meinen neuen Traum leben. Vielleicht als General Manager bei einem NHL-Team.

ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich eigentlich mehr als Österreicher oder als Amerikaner?

Vanek: Obwohl ich jetzt schon mehr als die Hälfte meines Lebens in den USA lebe, werde ich mich immer als Österreicher fühlen. Wenn mich jemand fragt, woher ich bin, dann sag ich nie: aus Minnesota. Ich war auch immer stolz, für unser Nationalteam zu spielen. Obwohl ich gewusst hab, dass wir keine Chance auf Medaillen hatten, hab ich immer auf eine Sensation gehofft. Ich glaub übrigens noch immer, dass das möglich ist, wenn sich einiges ändert im österreichischen Eishockey. Vielleicht bekomm ich ja einmal die Chance, dass ich helfen darf.

ÖSTERREICH: Sie würden dem Team helfen?

Vanek: Wieso nicht? Auch wenn meine Spielerkarriere vorbei ist, hätte ich doch einiges, das ich einbringen könnte.

ÖSTERREICH: Werden Sie in absehbarer Zukunft nach Österreich kommen?

Vanek: Ja, im Sommer, wenn die Kinder schulfrei haben. Das sind die Dinge, für die ich jetzt Zeit hab, auf die ich mich richtig freu: Reisen, Golfen, Tennisspielen, mit dem Skifahren anfangen, mit meinen Söhnen im Garten Fußball spielen.

ÖSTERREICH: Verfolgen Sie eigentlich den österreichischen Sport?

Vanek: Natürlich, ich bin ein Sportfanatiker, und da hab ich’s gegen meine amerikanischen Freunde nicht immer leicht. Aber was der Marcel geleistet hat, war unglaublich, und jetzt drück ich Dominic Thiem (der übrigens mit Herwig Straka den gleichen Manager hat, d. Red.) die Daumen. Man sieht in seinem Gesicht den Willen zum Gewinnen. Die Final-Niederlagen in Paris und Melbourne haben ihn nur stärker gemacht. Auch ich bin durch Niederlagen besser geworden. 

ÖSTERREICH: Kennt ihr euch persönlich?

Vanek: Leider nicht. Aber ich hab vor, zu den Turnieren nach Indian Wells oder Miami zu kommen. Wieder eine Sache, für die jetzt Zeit ist.

ÖSTERREICH: Und ein Comeback „light“ als Spieler in unserer Liga – wäre das kein Thema?

Vanek: Es war tatsächlich kurz eine Überlegung, vor den österreichischen Fans aufzuhören. Aber tatsächlich wären sich locker noch drei Saisonen in der NHL ausgegangen. Warum sollte ich dann ich Österreich spielen? Wenn es aus ist, ist es aus.

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